Magdeburg l Mit einer großen Armee an Likören, Weinen und anderen Spirituosen im Rücken, kippt Frank Krakow gerade Bananenlikör in ein Sektglas. Ernste Miene, fokussierter Blick. „So, jetzt mit Sekt auffüllen und dann noch eine schöne rote Cocktailkirsche zum Abschluss.“ Plumps, liegt die leuchtend rote Zuckerbombe im grünen Likör. Das Werk ist vollendet. Erst jetzt lacht Krakow wieder. „Thank You heißt dieser Sekt-Cocktail, weil man am Ende des Jahres Danke sagt.“ Zeigefinger nach oben. „In den Stadtfarben Grün und Rot wohlgemerkt, das ist ganz wichtig.“

Den Cocktail-Mixer, der als Animateur die Flaschen hinter der Bar jongliert, sucht man hier vergebens. Krakow ist seit 40 Jahren Barkeeper, seit einem Vierteljahrhundert ist er Chef an der Pianissimo-Bar im Herrenkrug-Parkhotel. „Barkeeper sein ist nicht nur ein Job, es ist eine Berufung“, sagt er. Leidenschaft. Die trug auch dann Früchte, als das Herrenkrug-Hotel 2013 dem Hochwasser zum Opfer fiel. Denn das hieß: Nachschichten auf der Baustelle statt an der Bar.

Peter Schilling ist bei Krakow Dauergast

Krakow erarbeitete in dieser Zeit eine neue Karte. Stillstand kann sich auch ein Barchef nicht erlauben. Zu schnell ändern sich die Trends bei Cocktails, Longdrinks und Co. Krakow selbst liest Fachzeitschriften, um auf dem Laufenden zu bleiben. Früher nahm er an Cocktail-Meisterschaften teil, „aber das überlasse ich heute lieber den Jüngeren“.

Bilder

Wenn der gebürtige Stendaler seine Mixturen erläutert, spricht er langsam, immer darauf bedacht, dass jede Zentiliter-Angabe auch richtig notiert wird. Weißes Hemd, grau-melierte Weste und Krawatte. Stil und Ästhetik, das ist für Krakow wichtig. Noch wichtiger aber sind seine Gäste. „Sie sind die wichtigsten Protagonisten“, sagt der 58-Jährige. „Ich liebe meinen Job, weil man so viele Menschen kennenlernt und auch mal persönlich ins Gespräch kommt.“

Ob Reinhold Messner oder Roger Whitacker, alle waren sie schon hier. Zuletzt überraschte ihn Hansi Hinterseer und das Tiroler Echo. „Er kam mit der Band reinmarschiert und sie haben mir bestimmt fünf Minuten lang ein Ständchen gesungen. Das war toll.“

Auch Sänger Peter Schilling lässt es sich nicht nehmen, sein Bier an Krakows Bar zu trinken, wenn er gerade auf der Durchreise ist. „Man erfährt schon so einiges an der Bar“, sagt Krakow mit einem vielversprechenden Lächeln. „Das Wichtigste ist aber, dass diese Gespräche auch an der Bar bleiben und nicht den Raum verlassen.“

Wer Krakow erlebt, bekommt eine Ahnung davon, weshalb der 58-Jährige bereits mehr als ein halbes Leben lang hinter der Bar steht, weshalb man hier im Herrenkrug-Hotel froh ist, ihn als Barchef zu haben. Im Gespräch wendet Krakow den Blick selten von seinem Gesprächspartner ab. Empathisch beobachtet er sein Gegenüber, weiß recht schnell, was der Gast will - und was eben nicht. Und so fällt ihm auch schnell auf, wenn ein Gast einen anstrengenden Tag hinter sich hat und nicht viel reden, sondern bei einem Glas Wein schweigen möchte.

Arbeiten, wenn andere Feierabend haben

Angefangen hat Krakow als Kellner. Als er dann das erste Mal hinter der Bar stand, „war recht schnell klar, dass das mein Job ist“. Er selbst bezeichnet sich als Nachteule. Das bringt der Job so mit sich, immerhin beginnt Krakows Arbeitstag dann, wenn der normale Arbeitnehmer gerade Feierabend hat – um 17 Uhr. „Da kann die Nacht schon mal zum Tag werden.“

Das gilt vor allem für den Neujahrsabend. Wenn die Gäste im Herrenkrug Parkhotel heute Abend zum Motto „Casino Royal“ zocken und bluffen, wird Krakow mit seinem Team neben den Klassikern auch den ein oder anderen neuen Cocktail kreieren. Denn ähnlich gut wie das ein oder andere Geheimnis der Promis, sind auch Getränkewünsche bei Krakow aufgehoben.

Ein Blick ins Rezeptbuch ist nur dann nötig, wenn „der Barkeeper der alten Schule“, wie er sich selbst bezeichnet, gerade mal wieder einen neuen Cocktail kreiert hat. „Alle anderen hat man einfach drauf“, sagt Krakow. Zentiliter abmessen? Auch das ist nach 40 Jahren Berufserfahrung nur noch selten nötig. Wenn einer die Cocktail-Trends kennt, dann Krakow. „Ich habe noch nie so viel Gin verkauft wie in diesem Jahr.“ Die Spirituose trendet seit drei Jahren, ob mit Gurke oder Rosmarin – „die Gäste fahren darauf ab“. Ebenfalls angesagt: der Lillet-Likör. Besonders gern wurde er in diesem Jahr als Longdrink in Kombination mit Schweppes-Wildberry getrunken. Doch auch die Klassiker, wie Caipirinha und Mai Tai, sind ein Dauerbrenner. „Am Ende serviere ich alles, Hauptsache der Gast ist glücklich.“

Da kannes ja losgehen! Hier die Rezepte im Überblick:

"Thank You" - Ein Sekt-Cocktail, eigens kreiert von Barkeeper Frank Krakow, in den Magdeburger Landesfarben Grün und Rot. Ganz einfach zum Selbermachen am Silvesterabend. Serviert im Sektglas. Das Rezept:

  • 1cl Vodka
  • 2cl grüner Bananenlikör
  • mit Sekt auffüllen
  • zum Schluss kommt noch eine rote Cocktailkirsche ins Glas

"Beautiful Lady"- Ein weiterer Sekt-Cocktail, fruchtig und dennoch herb, in wunderschönen roten Farben. Serviert im großen Weinglas auf Eis. Das Rezept:

  • Eiswürfel ins Glas
  • 1cl Contreau
  • 2cl Grenadine
  • mit Sekt auffüllen
  • Ein Teelöffel voller Granatapfel-Kerne (wer mehr mag, gern auch mehr)

"Wintertraum" - Ein alkoholfreier, fruchtiger Cocktail mit einem Hauch „Weihnachten“. Serviert im Cocktailglas und stilecht mit "Happy New Year"-Botschaft. Das Rezept:

  • Eiswürfel ins Glas
  • 10cl Orangensaft
  • 10 cl Maracuja-Saft
  • 5cl Grapefruit-Saft
  • 1cl Grenadine
  • 1cl Mandelsirup
  • Am Ende etwas Zimtsirup drüber träufeln