Magdeburg l Die Schatzräuber an der Elbe und Mulde arbeiten hochprofessionell: Sie verwenden Metalldetektoren, Unterwassersonden sowie Magnetangeln an langen Seilen und suchen damit das Flachwasser der Elbe ab. „Es gibt meist sogar ein Such- und ein Grabungsteam und natürlich nutzen viele für das lebensgefährliche und strafbare Hobby das Flachwasser der Elbe aus“, erklärt Peter Meißner vom Landeskriminalamt.

Dort werden aktuell mehrere Waffen und Munition für Strafverfahren begutachtet. Sie stammen aus Durchsuchungen bei 13 Sondengängern aus der Militaria-Szene Ende August. Die Beschuldigten im Alter zwischen 29 und 49 Jahren stammen aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Sie waren bei der Schatzsuche am Elbufer bei Tangermünde von der Wasserschutzpolizei erwischt worden. Der gesamte Bereich ist offensichtlich für die Hobby-Sammler besonders attraktiv, weil dort die 12. Armee unter Wehrmachtsgeneral Walther Wenck sich zu großen Teilen am östlichen Ufer aufgelöst hat. Die Truppen vergruben und verscharrten dort ihre Uniformen sowie das Kriegsgerät, um auf der Westseite sich den Amerikanern zu ergeben.

50 bis 70 Löcher

In der Szene hat sich dies längst herumgesprochen, so dass die Schatzräuber dort besonders aktiv sind. Schon im vergangenen Jahr musste während der Deichbauarbeiten in dem Bereich der Wachschutz verstärkt werden, weil Schatzgräber dort 50 bis 70 Löcher gruben, mit zum Teil mehr als einem Kubikmeter Erdaushub.

Die Ermittler der Polizei in Stendal fanden im aktuellen Fall bei den Durchsuchungen der Wohnungen mehrere Kilogramm Infanteriemunition, Maschinengewehr-Gurte, Werfer-Granaten, Gewehre und Handgranaten sowie mehrere Sonden. Die ebenfalls aufgefundenen Devotionalien werden aktuell im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie untersucht. Nach Angaben von Susanne Friedrich, Abteilungsleiterin für Bodendenkmalpflege, gehören die Funde zu einem archäologischen Bodendenkmal der Wenck-Armee. „Wir können bei den koordinierten Untersuchungen in dem Bereich nachvollziehen, was damals an dieser Stelle wirklich passiert ist. Nur diese Leute rauben uns dadurch unsere eigene Geschichte“, sagt sie.

Großes Risiko für Schatzjäger

Zumal die Räuber ein tödliches Risiko eingehen. Das sagt auch der Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, Torsten Kresse: „Die Munition kann jederzeit hochgehen.“ Während es im vergangenen Jahr 17 Wasserfundstellen gab, sind es dieses Jahr wegen des Flachwassers schon 81. Unter den Fundstücken waren Minen, Bomben und Granaten.

Der Leiter der Wasserschutzpolizei des Landes, Frank Rim, spricht inzwischen von gut einem Dutzend Einsätzen wegen illegaler Sondengänger, vor allem zwischen Hohenwarthe und Tangermünde oder an der Mulde bei Dessau.

Slider: Anja Guse