Magdeburg l Schulschluss am Freitagmittag. Die Kinder der St.-Mechthild-Grundschule in Magdeburg freuen sich auf ihr Wochenende. Zwischen ihnen steht Annalena Szegedi. Sie strahlt. Die 19-Jährige macht in der katholischen Grundschule ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Seit fast sieben Monaten arbeitet sie an der Grundschule. Meist siebeneinhalb Stunden am Tag. Ihre Aufgaben: Unterrichtsunterstützung und -vorbereitung, Hausaufgabenbetreuung oder Chorleitung.

Szegedi ist eine von rund 1300 anderen Freiwilligen in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der FSJler steigt. Rund 1100 waren es noch im Jahr 2013. Die beliebtesten Arbeitsfelder sind Kindertagesstätten, Schulen und Krankenhäuser. Das FSJ von Szegedi läuft über die Caritas. Einer von zehn Trägern in Sachsen-Anhalt. Den Wunsch, ein FSJ zu absolvieren, hatte die junge Frau schon in der elften Klasse. „Ich wollte nicht von einer Schule in die nächste“, sagt sie. Sie wollte Erfahrungen sammeln.

Lehrweunsch seit dem 8. Lebensjahr

Im Anschluss an das FSJ möchte die Magdeburgerin Grundschullehramt in Dresden studieren. Ein Wunsch, den sie seit ihrem achten Lebensjahr hat. Der Tagesablauf in der Grundschule ist immer verschieden. „Ich muss flexibel sein. Wenn man mit Kindern arbeitet, können sich Pläne ganz schnell ändern“, sagt die Magdeburgerin. Man brauche allerdings auch starke Nerven, gerade vor dem Wochenende oder zu Ferienbeginn seien die Kinder aufgewühlt. Sie dann wieder zu beruhigen, sei nicht immer einfach.

Das hat einen Grund: „Sie wissen, dass ich nicht ihre Klassenlehrerin bin“, sagt die Abiturientin und schmunzelt. Nicht alle sind so zufrieden wie Annalena Szegedi. Von anderen Freiwilligen hört sie immer wieder, dass sie überfordert oder unzufrieden sind. Das bestätigen auch Zahlen der Bundesregierung. Danach brechen 28 Prozent der Freiwilligen frühzeitig ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. 35 Prozent der Abbrecher gaben an, ihr Wunschstudium zu beginnen. Oft falle es Schülern zudem schwer, sich nach der Schule auf einen Vollzeitjob einzustellen, sagt Stephan Thomas, pädagogischer Mitarbeiter der Caritas.

Ab und an gebe es zudem Fälle von Über- oder Unterforderung. Manch ein Freiwilliger ist mit seinen Arbeitszeiten unzufrieden oder kann die nicht nachvollziehen, so Thomas. Ein größeres Problem sieht er indes in dem mangelnden gesellschaftlichen Rückhalt. „Junge Menschen engagieren sich in einem Vollzeitdienst und werden mit einem Taschengeld belohnt. Da wäre es wünschenswert, wenn die Gesellschaft dieses Engagement stärker honoriert – zum Beispiel durch kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder ähnliche Vergünstigungen.“

Gute Quote nach dem FSJ

Immerhin entscheiden sich laut Zahlen der Caritas rund 80 Prozent der Freiwilligen nach dem Jahr für eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Bereich.