Magdeburg/Panama-Stadt l Diesen surfenden Typen aus Deutschland dürfte neuerdings halb Panama kennen. Immerhin tingelte Bastian Barnbeck in den vergangenen Wochen durch diverse Fernseh- und Radiosendungen, um über seine Arbeit und das anstehende Finale von „Héroes por Panama“ zu erzählen. Und dann, bei der großen TV-Show, saßen in dem kleinen Staat 500.000 Leute vor dem Bildschirm, als er als einer von sieben Wohltätern seine Trophäe überreicht bekam. Ein großes goldfarbenes „H“ für jeden der „Héroes“, der Helden.

Eine Menge bewegt

Seit Jahren zeichnet der staatliche Sender TVN sozial engagierte Menschen aus, gewählt von Jury und Publikum. Ein Deutscher unter ihnen, das war diesmal Premiere. Der 31-Jährige hat ja auch eine Menge bewegt, seit er vor zwei Jahren nach Panama zog. Bastian Barnbeck hatte damals sein bequemes Leben mit Job in einer Beratungsfirma in Brasilien aufgegeben, um als Ehrenamtler Kindern zu helfen. „Ich hatte früher viel Glück und konnte Privatschulen besuchen. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben“, erklärt er.

Seine Idee: Sponsoren sollen für jede Welle, die er in einem bestimmten Zeitraum reitet und dann im Internet dokumentiert, einen Dollar zahlen, der an eine Schule geht. Mit dem halbgaren Plan marschierte er unangemeldet ins Bildungsministerium – und bekam tatsächlich Unterstützung. Die Behörde vermittelte ihm eine marode Grundschule im Landessüden. Für sie ersurfte Barnbeck Geld für neue Stromleitungen.

Projekte an vier Schulen in einem Jahr

Aus dem Projekt ist inzwischen die „Waved Foundation“ geworden, eine Stiftung, die mehr macht, als nur Geld für Wellen zu sammeln. Barnbeck hat auch Sponsoren gefunden, die unabhängig von seinen Aktionen Geld geben. Dank ihnen wurde dieses Jahr an vier Schulen saniert: mal die Elektrik, mal die Toiletten. „Das letzte Projekt hat sogar die deutsche Botschaft finanziert“, erzählt der Magdeburger stolz.

Darüber hinaus organisiert er mit Hilfe einer Hand voll Freiwilliger Englisch- und Schwimmunterricht an Grundschulen auf dem Land – den gibt es dort sonst nicht. Für die Englischstunden besuchen die Ehrenamtler einmal pro Woche mehrere Schulen in der Provinz Los Santos. Fürs Schwimmen ist mehr Aufwand nötig: Barnbeck hat die nächstgrößere Stadt überzeugt, alle zwei Wochen einen Bus mit Fahrer zu stellen, der die Kinder in den Dörfern einsammelt und zum Pool fährt.

Den Ursprung seiner Stiftung, das Surfen, hat Barnbeck trotzdem nicht aus dem Blick verloren: Drei- bis viermal im Jahr veranstaltet er eine Aktion, bei der mehr als 100 Hobby-Surfer für den guten Zweck aufs Brett steigen. Mehr Infos zur Stiftung gibt es unter www.wavedfoundation.com. Eine digitale Uhr am Strand zählt die Wellen, den Dollar pro Welle geben vor allem kleine Läden in der Umgebung.

Während der Deutsche anfangs von seinen Ersparnissen lebte, kann er sich heute ein Gehalt auszahlen. Seinen alten Lebensstil erreicht er damit nicht, sagt er. „Ich vermisse das aber kein Stück. Mein alter Job hat mir nichts gegeben. Wem kam meine Arbeit denn zugute?“

Viel Aufmerksamkeit im TV

Bei „Héroes por Panamá“ wurde übrigens unter allen Helden noch ein Sieger gekürt, der einen Scheck über 20.000 Dollar mitnehmen durfte. Er ging an eine Frau, die Straßenkatzen sterilisiert. Kein Grund, enttäuscht zu sein, findet Barnbeck. „Als kleine Stiftung in dieser Show haben wir so oder so gewonnen. Durch die Aufmerksamkeit kommen jetzt auch Sponsoren auf uns zu – sonst war es immer umgekehrt.“