Instagram & Influencer

Was ist das?

Ein kostenloses soziales Netzwerk, das es seit 2010 gibt. Es dient zur Verbreitung von Fotos und Videos. Die Zielgruppe bewegt sich zwischen 14 und 35 Jahren. In Deutschland nutzen rund 15 Millionen Menschen die Plattform. Überwiegend wird Instagram als App auf dem Smartphone verwendet.

Was ist ein Influencer?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet beeinflussen. So werden Personen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken einen großen Personenkreis erreichen und somit als Werbepartner infrage kommen. Das können Sportler, Schauspieler, Musiker oder Bürger von nebenan sein.

Was sind Follower?

So werden Personen bezeichnet, die bestimmte Leute bei Instagram abonniert haben und dadurch die hochgeladenen Fotos und Stories (15 Sekunden lange Kurzvideos, die sich nach 24 Stunden selbst löschen) direkt auf ihrer Startseite sehen.

Wer ist Instagram-König?

Der Fußballer Cristiano Rolando hat 227 Millionen Follower und verdiente 2019 damit rund 42,7 Millionen Euro neben seinem Gehalt als Sportler.

Magdeburg/Halle l Die 28-jährige Magdeburgerin Madeline Flierler trägt ein pinkes Sportoutfit und macht einen Handstand. Mit diesem Bild kommt die Physiotherapeutin den Wünschen ihres Werbepartners nach und zeigt ihren Followern, wie beweglich man im Outfit einer bestimmten Sport-Marke ist.

Damit gehört die junge Frau zur Gruppe der Influencer. Rund 5900 Menschen folgen ihr bei Instagram. Somit nutzt Flierler das soziale Netzwerk, um neben ihrem Beruf Geld zu verdienen. Leben kann sie aktuell von ihrem Influencer-Dasein noch nicht. Sie nennt auf Nachfrage der Volksstimme keine genauen Summen. „Ich bekomme beispielsweise für ein Paket aus drei Bildern und einer Story eine drei- bis vierstellige Summe“, erklärt sie. Nach einer Faustregel des NDR kann ein Influencer für ein Bild fünf bis zehn Euro pro 1000 Follower verdienen. Hier wird deutlich, wie entscheidend die Anzahl der Follower ist. Wendet man diese Regel auf Flierlers Followerzahlen an, kann sie pro Bild zwischen 30 und 60 Euro verdienen.

Zu Flierlers Werbepartnern zählen Firmen, die Sportbekleidung produzieren. Sie sind auf die junge Frau aufmerksam geworden, weil sie sich auf ihrem Profil überwiegend mit Fitness und Mode auseinandersetzt. „Ab rund 5000 Followern sind die Marken auf mich aufmerksam geworden“, sagt sie. Flierler geht aber nicht auf jede Kooperationsanfrage ein. „Die Marke muss einerseits zu meinem Profil passen und anderseits mir Spaß machen“, sagt sie.

Bilder

Individueller Weg des Marketings

Eine andere Strategie verfolgt der 21-jährige Influencer Justin Prince aus Halle. Er sucht sich als Kooperationspartner Marken aus, die sich nicht durch zahlreiche Influencer bewerben lassen. So könne ein individueller Weg des Marketings erarbeitet werden, begründet Prince. Er hat aktuell über 200 000 Follower, die Anzahl ist seit Mitte 2016 stetig gestiegen. Er ist einem breiten Publikum durch seine Auftritte als DJ auf Festivals und als Moderator einer Radiosendung bei 89.0 RTL bekannt. Prince arbeitet seit rund vier Jahren mit einer Lautsprecherfirma und seit einem Jahr mit einem Energy-Drink-Hersteller zusammen.

Das wirklich Interessante an seiner Followerzahl ist jedoch, wie viel verdient er damit? Eine genaue Summe nennt auch er nicht. Doch wendet man wieder die Faustregel an, kann Prince für einen Beitrag zwischen 1000 und 2000 Euro verdienen. Er sagt: „Aktuell kann ich davon gut leben und auch etwas zurücklegen. Um sich aber von seiner Followerzahl unabhängig zu machen, plant er ein Studium im Wirtschaftsbereich.

Warum hat sich der Energy-Drink-Hersteller ausgerechnet für Justin Price als Werbepartner entschieden? „Das Getränk spricht die Zielgruppe der 20- bis 29-Jährigen an und er verkörpert für uns den idealen Werbebotschafter“, erklärt Lena Schmidt, Unternehmenskommunikatorin. Die Kampagne mit Justin Prince ist aktuell die größte des Unternehmens. Schmidt gibt nicht preis, wie viel diese Kooperation das Unternehmen kostet. „Wir bewegen uns in einem Rahmen von 500 bis zu mehreren tausend Euro.“

Vorbild für Jugendliche

Das Unternehmen wie auch viele andere nutzen das psychologische Moment, das Influencer-Marketing überhaupt erst möglich macht: Dadurch, dass Influencer ihre Follower durch ihre Beiträge überall und ständig mitnehmen, entsteht eine gewisse Nähe, wenn nicht sogar einseitige Freundschaft. Viele Jugendliche nehmen sich die Influencer zum Vorbild und wollen ihnen nacheifern. So kaufen viele Follower die beworbenen Produkte nach, erklären Marketingexperten.

Ein Blick nach Sachsen-Anhalt zeigt, dass auch ein Unternehmen wie Rotkäppchen-Mumm aus Freyburg Influencer-Marketing betreibt. Schon seit Jahren arbeite die Firma mit Influencern zusammen, teilt Cathrin Duppel, Marketing-Director bei Rotkäppchen-Mumm, mit. Sie hätten einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Marke, erklärt sie.

Auch das Unternehmen Go Fashion aus Schönebeck nutzt für seine Geschäfte in Magdeburg Influencer als Marketing-Botschafter. „Wir arbeiten mit drei Influencern aus Magdeburg zusammen“, sagt Gordon Gol, Chef des Unternehmens. Madeline Flierler gehört dazu. Sie werden engagiert, wenn es um die jüngere Zielgruppe geht. „Das kann die Jugendweihe, der Abiball oder das Oktoberfest sein“, führt Gol auf. Auch er nennt keine Summen. Jedoch würde sich das Marketing lohnen, weil mehr Kunden in die Geschäfte kämen, sagt er.

Nun möchte man wissen, wie viele Influencer es in Deutschland gibt und wie viel Prozent des Umsatzes deutscher Firmen auf Influencer-Marketing zurückgehen. Seit drei Wochen bleiben mehrfache Anfragen beim Bundesverband für Influencer-Marketing unbeantwortet.

So erfolgversprechend sich das Influencer-Leben anhören mag, gibt es auch hier Schattenseiten. Madeline Flierler musste vor eineinhalb Jahren einen Rückschlag hinnehmen. „Damals hatte ich 4000 Follower und verdiente mit meinem Profil schon Geld. Aber dann wurde ich durch eine russische E-Mail-Adresse gehackt, so dass ich von heute auf morgen keinen Zugriff mehr auf mein Profil hatte und es letztendlich gelöscht wurde“, sagt sie verärgert. So musste sie ihr Standbein erneut aufbauen.

Auch wenn es verlockend ist, damit Geld zu verdienen, fühlt sich Flierler oft unter Druck gesetzt. „Ich muss die Vereinbarungen mit meinem Werbepartner einhalten“, erklärt sie. Auch um ihre Follower-Zahlen zu steigern, drängt es sie immer wieder, Bilder und Stories zu veröffentlichen. „Besonders nervig finde ich, wenn fremde Männer mir ungefragt anzügliche Bilder zusenden.“

Auch Justin Prince hat schon Hass-Kommentare bekommen. „Ich gehe damit sehr locker um und lasse mich davon nicht unterkriegen“, meint er. Für ihn haben die Verfasser dieser Kommentare einfach nur schlechte Laune.

Bild braucht Aussagekraft

Welche Tipps geben die Profis Anfängern? „Überlege dir gut, mit welchem Inhalt du dein Profil füllen willst. Das kann beispielsweise Sport, Ernährung, Reisen oder Kosmetik sein“, erklärt Flierler. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Motiv und Aussagekraft des Bildes. Eine besondere Bedeutung erhält die Bildunterschrift. Flierler stellt häufig Fragen direkt an ihre Follower, um Kommentare zu provozieren. „Nicht unerheblich für den Erfolg ist auch, anderen Nutzern zu folgen und deren Bilder zu kommentieren“, sagt die Magdeburgerin.

Prince empfiehlt, einfach in die Social-Media-Welt einzusteigen. „Fang an, dein Leben online zu teilen, lade Stories und Bilder hoch und warte ab, was den Leuten gefällt“, rät er. Man solle sich aber nicht unter Druck setzen, um bekannt zu werden. Ebenso dürfe die eigene Persönlichkeit dabei nicht auf der Strecke bleiben. „Achte auf deine Freunde und beschäftige dich auch mit einem Plan A. Schule und Ausbildung sind mindestens so wichtig“, sagt der Influencer.