Das Investforum Sachsen-Anhalt

Auf dem Investforum Sachsen-Anhalt kommen seit 2009 Unternehmen und Investoren zusammen. In Vorträgen präsentieren die Gründer ihre Geschäftsmodelle vor den potenziellen Geldgebern.

465 Gründungsprojekte haben sich seit 2009 für eine Teilnahme am Investforum beworben. Über 154 Bewerber wurden bislang durch die Mitarbeiter des Investforums betreut und hatten zwischen 2009 und 2014 die Chance, ihre Geschäftsmodelle den Finanziers vorzustellen. Mehr als 45 Millionen Euro an Beteiligungskapital wurden seitdem eingesammelt. Von den 154 Bewerbern erhielten bislang 58, also 40 Prozent, eine Finanzierung. Von den in diesem Jahr präsentierenden 25 Gründern stammten 15 aus Sachsen-Anhalt.

Das Investforum wird durch das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Ausrichter des Forums ist die Univations GmbH, die sich seit zehn Jahren für Gründungs- und Innovationsförderung im Land engagiert. Eine Fortführung der in diesem Jahr auslaufenden Projektförderung wurde bereits beantragt.

Weitere Informationen zum Investforum unter: www.investforum.de

Halle l Viele von ihnen sind noch keine 30 Jahre alt. Statt ein weiterführendes Studium zu beginnen, haben sie nach dem Bachelorabschluss den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Die jungen Gründer wollen sich mit ihren Start-up-Unternehmen und Ideen den Markt erobern, aber wie das oft im Leben ist, es fehlen das liebe Geld und der Erfahrungsschatz. Ersteres lässt sich beschaffen. Die Chance, potenzielle Geldgeber zu überzeugen, hatten 25 Unternehmen, darunter 15 aus Sachsen-Anhalt, zuletzt auf dem 7. Investforum Sachsen-Anhalt in Halle. Die Volksstimme schaute sich die Projekte von fünf Unternehmen aus dem Norden des Landes genauer an.

Die Realität erweitert: Stellen Sie sich vor, Sie brauchen künftig kein Fachchinesisch auf der Gebrauchsanweisung Ihrer neuen Kaffeemaschine mehr zu entziffern, sondern sehen das Modell und seine Funktionen in einer 3D-Animation. Alles nur, indem Sie einen QR-Code mit Ihrem Smartphone einlesen (siehe Grafik). Diese Idee hatte Daniel Anderson für seine Start-up-Firma 3DLogics. Wie die meisten Teilnehmer des Investforums ist sie mit ihrem Projekt 3DQR kaum älter als ein Jahr. Ende 2014 hatte Anderson sie nach seinem Mechatronik-Studium und einem Projekt am Fraunhofer-Institut gegründet. In dem Projekt beschäftigte sich der Magdeburger mit Augmented Reality (AR), zu Deutsch erweiterte Realität. „Es geht darum, die Sicht auf reale Dinge zu ergänzen, zu sehen, wie sie eigentlich funktionieren“, erklärt der 29-Jährige. Daraus entstand sein Geschäftsmodell.

AR gibt es schon länger, ein Blick durch die Google-Brille oder auf das Smartphone ermöglicht diese erweiterte Sicht. Bislang fehlte es aber an einfachen Lösungen, dieses Extra für reale Gegenstände anzuwenden. QR-Codes auf den Objekten sollen hier Abhilfe schaffen und durch Einlesen mit dem Smartphone AR im Alltag ermöglichen. „Durch eine neu entwickelte Schnittstelle können wir die Technologien der QR-Codes und AR so miteinander kombinieren, dass sich fast alle technischen Beschränkungen beider Welten auflösen“, sagt der Jungunternehmer. Das Verfahren ermögliche eine unendliche Anzahl von verschiedenen AR-Szenen innerhalb einer Datenbank. Eine Internetverbindung werde nur zum Herunterladen eines neu gefundenen AR-Inhalts benötigt. Gleichzeitig vergünstige sich die Erstellung neuer AR-Inhalte, die leicht ohne technisches Vorwissen durchgeführt werden könne, deutlich. „Den entscheidenden Kern der Technologie haben wir bereits als Patent eingereicht“, sagt Anderson.

Bilder

Technik, die jedermann verwenden kann

Sein Produkt besteht aus einer App für mobile Endgeräte, mit der Nutzer sowohl AR-Inhalte als auch QR-Codes ihrer Umgebung betrachten können, sowie aus einem Web-Konfigurator. Mit diesem können Unternehmen und Privatpersonen ohne technisches Wissen innerhalb weniger Minuten eigene AR-Szenen erstellen und in die reale Umgebung platzieren. Zum Beispiel ein Urlaubsvideo, das über einen auf eine Postkarte gedruckten QR-Code eingesehen werden kann. „Der Web-Konfigurator befindet sich noch im Anfangsstadium“, erklärt Anderson. Seine Entwicklung erfordere weitere Mitarbeiter in dem kleinen Unternehmen. Besonders dafür brauche er 650 000 Euro.

Das Studium digital im Griff: Ebenfalls um eine App geht es bei dem Geschäftsmodell des Magdeburger Start-ups Mocama und seiner Gründer Tobias Steenweg und Stefan Wegener. Die App für das Smartphone bündelt fast alle für das Studium notwendigen Informationen. „Der Nutzer wird automatisch benachrichtigt, wenn seine Klausurnote eingetragen ist und bekommt gleich den Notendurchschnitt ausgerechnet“, erklärt Wegener eine Funktion der App. Auch der Mensa-Speiseplan oder Sportangebote seien einsehbar, zudem könnten Ausleihfristen der Bibiliothek verlängert werden.

Und noch ein Ziel haben sich die beiden gesetzt: „Wir wollen das klassische Bewerbungsverfahren auf einen Job verkürzen“, sagt Steenweg. So soll über die App ein Datenaustausch zwischen Unternehmen und Studenten möglich sein, der auf ein frühzeitiges Matching in Sachen Berufsfindung abzielt. Während die App für die Studenten bereits seit Juli an zehn Hochschulen kostenlos zur Verfügung steht, sollen die von dem Matching profitierenden Unternehmen das Projekt finanzieren. Bedenken um Datenmissbrauch versucht Steenweg zu zerstreuen: „Alles funktioniert auf freiwilliger Basis. Die App schlägt nur vor, es folgt keine Aktion ohne Zustimmung der Nutzer.“ Die Zeit ist bei dem Projekt der Gegenspieler. „Wir können die Idee nicht patentieren lassen, darum müssen wir uns rasch auf dem Markt behaupten“, erklärt Wegener. Deshalb benötigten sie für Personal und eine Marketingkampagne rund eine halbe Million Euro.

Der wartungsfreie Fahrradantrieb: Aus der Reihe der Jungunternehmer schert das seit einigen Jahren an der Hochschule Harz in Wernigerode angesiedelte Unternehmen MekoSys etwas aus. Seine Vertreter sind gestandene Ingenieure, die ihre Erfahrungen in die Entwicklung eines kettenlosen Antriebs für schnelle Elektrofahrräder, sogenannte Speedbikes, gesteckt haben. „Sie haben keine Kette, die verschleißen kann. Darum ist der Antrieb absolut wartungsfrei“, erklärt Projektleiter Knut Meißner. Beim Treten speise der Fahrer über die Pedale einen Generator, der über ein Stromkabel mit dem E-Motor am Hinterrad verbunden ist. Zudem erfolge die Schaltung elektronisch, entweder per Hand oder im Automatikmodus.

„Schalten können Sie auch über das Smartphone, das via Bluetooth mit dem Antrieb kommuniziert“, informiert Projektmitarbeiter Steffen Braune. Das sei nur ein kleines Extra. Für die serienfertige Entwicklung des Antriebs benötigt MekoSys laut Geschäftsführer Klaus-Dietrich Kramer stolze 2,1 Millionen Euro. Einen Partner für den Einbau des Antriebs in Fahrräder habe das Unternehmen schon gefunden. Der benötigte Investor sollte die Wernigeröder weiterhin am Projekt teilhaben lassen, so Kramers Wunsch. „Schon einmal hatten wir ein Projekt, einen Antrieb für eine Flaschensortiermaschine, an einen Investor aus der Hand geben müssen, das soll nicht nochmal passieren.“

Nobelflitzer mit Gleichgesinnten teilen: Möchten Sie mit Ihrem eigenen Lamborghini über die Autobahn brausen, verfügen aber nur über ein Drittel des Kaufpreises? Die Magdeburger Firma Motion Drive könnte da etwas in die Wege leiten. Die Idee des jungen Unternehmens um Geschäftsführer Philipp Müller ist der gesplittete Besitz von teuren Sportwagen, das sogenannte Co-owning. „Wir haben ein Netzwerk mit Käufern und Verkäufern aufgebaut, die bringen wir über unsere Plattform zusammen“, erklärt der 28-Jährige.

Modell will weg vom Alleineigentum

Müllers Ziele sind der Austausch unter Gleichgesinnten, die Abkehr vom Alleineigentum und die damit verbundene intensivere Nutzung solcher Luxusautos. Eine Provision, die bei jedem Autokauf fällig wird, soll das Modell finanzieren. „Will ein Käufer aussteigen, übernehmen wir gegen Auszahlung seinen Platz und sorgen dann für einen neuen Miteigentümer“, sagt Müller. Doch dafür müssten das Marketing angetrieben und die Web-Plattform weiterentwickelt werden. Immerhin 3,8 Millionen Euro benötigt das Projekt für seine geplante Realisierung im Jahr 2017, so die Kalkulation Müllers.

Petri Heil für Abonnenten: Nur einen Bruchteil des Bedarfs von Müller, 200 000 Euro, braucht Andreas Kapl aus Kamern im Landkreis Stendal für sein Projekt MyFishingBox. Das Kapital soll in Werbung, Personal und die Warenvorfinanzierung fließen. Besagte Ware sind künstliche Angelköder, die in zusammengestellten Boxen Kunden über ein Abonnement monatlich zugesandt werden. „Ich bin begeisterter Angler. Die Erfahrung lasse ich in die Zusammenstellung der Boxen einfließen“, sagt Kapl. Die Variationen seien speziell auf die Fischarten abgestimmt.

Das Konzept hält Oliver Borrmann, Vorstand des Risikokapitalunternehmens bmp, noch für ausbaufähig. Sein Unternehmen verwaltet verschiedene Finanzfonds. Auch einen der landeseigenen Beteiligungsgesellschaft IBG. Mit dem Geld will er erfolgversprechende Start-ups unterstützen. „Wenn ich sehe, dass es bei der Fishingbox ein Zwölfmonatsabo gibt, frage ich mich, wo die Kunden im Winter angeln wollen“, kritisiert er. Kritik und Verbesserungsvorschläge gehörten aber bei solchen Foren dazu. Ob Geld fließt, darüber entscheiden Borrmann und seine Partner erst einige Zeit später. „Gute Chancen hat Mocama“, verrät der Investor.