Halle l Die Antwort auf die „wichtigste“ Frage stellte der Präsident des Statistischen Landesamts gleich an den Beginn der Präsentation: „Halle war 1990 mit 310 234 Einwohnern die größte Stadt Sachsen-Anhalts und ist es mit 239 257 Einwohnern auch in der jüngsten Statistik.“ Zum Vergleich: Magdeburg zählte 1990 280 536 Einwohner (-29 698) und 2019 238 697 (-560). Die Aufholjagd hat längst begonnen. Der Abstand verringerte sich seit 2010 (-1438), über 2015 (-1268) und 2017 (-695) auf den Jetztstand von 560. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wenn Magdeburg an Halle vorbeizieht. Obwohl sich die Saalestadt am 6. Mai 1990 die einst kreisfreie Stadt Halle-Neustadt einverleibt hatte.

Bei der Fläche hat Magdeburg mit 201 Quadratkilometern sowieso die Nase vorn. Halle kommt auf 135 Quadratkilometer. Unangefochtener Spitzenreiter ist Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) mit 633 Quadratkilometern und somit größer als der Stadtstaat Bremen und knapp unter Hamburg.

Der Familienstand-Vergleich zwischen der DDR 1989 und Sachsen-Anhalt 2018 macht deutlich, dass Verheiratete den größten Teil ausmachen: DDR 49,2 Prozent, Sachsen-Anhalt 43,3 Prozent. Der Geschiedenenanteil beträgt 6 Prozent (DDR) und 8,1 Prozent (2018). Statistisch gesehen heiratet alle 46 Minuten ein Paar, einen Schlussstrich ziehen Eheleute alle zweieinhalb Stunden. Im Schnitt hielten Ehen 14,5 Jahre.

Michael Reichelt hob gestern hervor, „dass auch in Zeiten von Meinungsblasen in sozialen Netzwerken und Fake News im Bereich sozialer Medien die amtliche Statistik eine verlässliche und belastbare Grundlage für eine objektive und neutrale Meinungsbildung ist“

Zwei Erhebungen hätten ihn besonders verwundert. „Zum Beispiel, dass es in der DDR-Jahresstatistik einen Punkt 'Edelpelztiere' gab und dass 1989 auf dem Territorium des heutigen Sachsen-Anhalt noch 5735 Telefonzellen gezählt wurden – eine fast ausgestorbene Gattung.“

227.198.000 Briefe wurden 1989 verschickt und 2.315.000 Telegramme. In der heutigen E-Mail-Zeit und dem Umstand, dass ein einfaches Telegramm (ja, das gibt‘s noch) 12,90 Euro kostet, sind es so wenig, dass es nicht mehr erfasst wird.

1989 gab es 1.239.618 Wohnungen, heute sind es 1.281.187. Die Wohnfläche ist von 65 Quadratmeter pro Wohnung auf 81 Quadratmeter gestiegen. Warum die Zahl der 7-Raum-Wohnungen überproportional angestiegen ist, kann die Statistik nicht beantworten.

Die Anzahl der Pflegeeinrichtungen stieg von 236 (1989) auf 633 (1917), die Zahl der Plätze je 100.000 Einwohner von 714 auf 1547.

Bei Kraftfahrzeugen ist bemerkenswert, dass in Sachsen-Anhalt immerhin noch 14.000 Autos unterwegs sind, die vor 1989 zugelassen wurden.