Halle (dpa) l Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt will verstärkt Hilfestellung leisten, wenn Stromkunden ihren Energieanbieter wechseln möchten. Bei einem Aktionstag am 14. März in den Beratungsstellen werde der Anbieterwechsel im Vordergrund stehen. "Dazu bereiten wir gerade einen aktuellen Preisvergleich für Sachsen-Anhalt und ein umfangreiches Infopaket zu den Wechselproblemen sowie Sonderberatungen vor", sagte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, Volkmar Hahn, in Halle. Einen großen Beratungsaufwand haben die Verbraucherschützer aktuell noch mit zweifelhaften Rechnungen, die an ehemalige Kunden des inzwischen insolventen Anbieters Care Energy gehen.

Das Unternehmen habe mit niedrigen Preisen, Ökostrom und kombinierten Ökotarifen mit Vertrieb und Installation von Solaranlagen sowie Sozialtarifen geworben. "Letztlich basierte das Geschäftsmodell auf nicht abgeführten EEG-Umlagen und einem undurchsichtigen Firmengeflecht", erklärte Hahn. Schon seit Juni 2016 habe die inzwischen insolvente Care Energy AG die Kunden auch in Sachsen-Anhalt nicht mehr mit Strom und Gas beliefern können. Seitdem würden ehemalige Kunden mit fragwürdigen Nachforderungen konfrontiert.

"Wir haben einen großen Beratungsaufwand", sagte die Leiterin der Rechtsabteilung der Verbraucherzentrale, Ute Bernhardt. Sie hat zwar keine detaillierte Statistik, schätzt die Zahl der Verbraucher, die sich mit Problemen wegen Care Energy gemeldet haben, aber auf eine dreistellige Zahl. "Sie müssen davon ausgehen, dass es die Spitze des Eisbergs ist, die bei uns ankommt."

Deshalb appellieren die Verbraucherschützer an weitere Betroffene, sich zu melden und nicht ungeprüft zu bezahlen. Es gehe um unterschiedliche Beträge, die bis zu drei- oder vierstelligen Eurosummen reichten. Verschiedene Insolvenzverwalter forderten viele ehemalige Kunden massiv über Inkassounternehmen zu den Nachzahlungen auf. Jede einzelne Rechnung müsse genau geprüft werden. Die Verbraucherzentrale hilft dann beim Schriftwechsel. Das allerdings ist nicht einfach, wie Bernhardt sagte: Inzwischen gebe es keinen Ansprechpartner mehr für Verbraucher bei dem insolventen Unternehmen. "Selbst wir kriegen keine Antwort mehr."

Fest steht: "In der weit überwiegenden Mehrzahl der überprüften Fälle stellte die Verbraucherzentrale fest, dass Abschlagszahlungen der Verbraucher nicht berücksichtigt wurden, vor allem aber, dass Verbraucher in der Regel sogar mehr an "Care Energy" bezahlt hatten, als sie tatsächlich Energie bezogen haben", erklärte Hahn. Die Verbraucherzentrale habe die Rechtsvertretung einzelner Verbraucher übernommen. Juristin Bernhardt sieht unterdessen keine Fehler der Verbraucher, die einst zu Care Energy gewechselt sind. "Man hat es so nicht sehen können." Die Menschen hätten auf die günstigen Preise geachtet. Care Energy habe wie ein neues Discount-Unternehmen gewirkt, das sich auch noch gesellschaftlich engagiere.