Energie

Strom wird im Osten teurer

Die Stromkosten steigen in Sachsen-Anhalt. Die SWM wollen im April den Preis anheben.

Von Jens Schmidt

Magdeburg l Die steigenden Kosten für den Ausbau des Stromnetzes bekommen immer mehr Haushaltskunden zu spüren. Nun werden auch die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) die Preise für die Grundversorgung anheben. Strom wird in diesem Tarif ab 1. April um 6,5 Prozent teurer, teilte das Unternehmen gestern auf Nachfrage der Volksstimme mit.

Die SWM gehört mit 160.000 Kunden zu den größten Versorgern in Sachsen-Anhalt. Auch bei den Stadtwerken Stendal (30.000 Kunden) ist ein Anstieg im Frühjahr nicht ausgeschlossen. Bereits zu Jahresbeginn erhöht haben zehn Versorger in Sachsen-Anhalt, darunter in Halberstadt und Wernigerode. Großversorger Eon plant derzeit noch keine Preisänderung.

Der Anstieg wäre meist vermeidbar gewesen, wenn die Bundesregierung - wie im Koalitionsvertrag versprochen - die Netzausbaukosten gleichmäßig auf alle Kunden in Deutschland verteilt hätte. Unter der unfairen Lastenverteilung leidet vor allem der Osten: Hier müssen viele Höchstspannungsleitungen installiert werden, um die großen Mengen an Windstrom in verbraucherstärkere Regionen zu leiten. Die Kosten tragen die Kunden hier, da die sogenannten Netzentgelte bislang stets von den Haushalten und Betrieben in den betroffenen Regionen geschultert werden müssen.

Im Osten steigt das Entgelt zum 1. Januar um 15 Prozent auf gut 7 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen beträgt es etwa 5,5 Cent. Würden die Netzausbaukosten national auf alle Schultern verteilt, würde der Osten entlastet - der Westen aber belastet. Offensichtlich mit Rücksicht auf die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen hat die Bundesregierung das Vorhaben nationale Netzentgelte aufgegeben.

„Angesichts der brutalen Kostenerhöhung ist der Zick-Zack-Kurs der Politik irritierend“, sagt SWM-Geschäftsführer Helmuth Herdt.

Verbraucherschützer raten Kunden dringend, einen Tarifwechsel zu prüfen. Fast alle Versorger bieten Familien- oder Haushaltstarife an - diese haben zwar längere Kündigungsfristen, sie sind aber meist deutlich günstiger als die Grundversorgerpreise.

Viele Kunden versäumen es offenbar aus Nachlässigkeit, den Tarif zu wechseln. Bei der SWM steckt etwa die Hälfte aller Kunden im teureren Grundversorgertarif. Der Unterschied ist deutlich. Bei der SWM zahlt ein Privathaushalt mit 2500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ab 1. April im Grundtarif 801 Euro. Im Spar-tarif sind es 706 Euro.