Magdeburg l In dem Gebiet rund um die Bohrschlammgrube Brüchau (Altmarkkreis Salzwedel) soll es keine Hinweise auf eine Erhöhung von Krebserkrankungen geben. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt veröffentlichte Analyse des Gemeinsamen Krebsregisters in Berlin (GKR), teilte das Sozialministerium am Dienstag mit. In der ehemaligen Lehmkuhle wurden zu DDR-Zeiten hoch giftige Industrieabwässer entsorgt, die auch Quecksilber und Arsen enthalten haben. Bewohner von Brüchau sorgen sich deshalb seit Jahren um Spätfolgen. Gefordert wird eine Beseitigung der giftigen Überreste.

Der Landtag hatte die Landesregierung im Mai 2017 beauftragt, Berichten über vermehrte Krebserkrankungen bei der in der Nähe der Bohrschlammdeponie lebenden Bevölkerung nachzugehen. Untersucht wurde daraufhin das Krebsgeschehen in der Zeit von 2005 bis 2014 in Brüchau, Kakerbeck, Jemmeritz (Stadt Kalbe/Milde) und Neuendorf (Stadt Klötze). Erfasst wurden Krebsneuerkrankungen lebender Krebspatienten, aber auch die Daten gestorbener Menschen. Ergebnis: „Es geben weder die Anzahl der registrierten Fälle noch das Lokalisationsspektrum Hinweise auf eine erhöhte Krebserkrankungsrate der Bevölkerung“, heißt es im Ergebnisbericht.

Dort gesucht, wo nichts zu finden ist

Die Bürgerinitiative „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ kritisierte am Dienstag das Zustandekommen der Krebs­analyse. Die Krebsdaten seien nicht relevant, da im Zeitraum 2005 bis 2014 Ärzte nicht zuverlässig Krebsfälle an das Zentralregister gemeldet haben. Auch Todesbescheinigungen enthielten keine belastbaren Erkenntnisse. „Aussagekräftige Quellen von der Kassenärzlichen Vereinigung wurden nicht herangezogen“, so der Vorwurf. Es sei nach dem Prinzip verfahren worden, „dort zu suchen, wo nichts zu finden ist“.

Zur Frage der Krebsmeldedaten-Erfassung von Ärzten erläutert Roland Stabenow, Leiter der Registrierstelle im Gemeinsamen Krebsregister in Berlin, auf Nachfrage: „Es gibt zwar eine Meldepflicht von Ärzten. Aber richtig ist, dass Ärzte nicht bestraft werden, wenn sie Krebsfälle nicht melden.“ Allerdings wurde die Anzahl von Meldedaten aus Sachsen-Anhalt mit der Region Brüchau verglichen. „Und da gab es keine Auffälligkeiten. Die Ärzte in dieser Region haben nicht mehr oder weniger Krebsfälle gemeldet als sonst in Sachsen-Anhalt.“