Gesundheit

Suchtberatungsstellen sollen digital ergänzt werden

Sachsen-Anhalts Suchtberatungsstellen setzen bislang auf die Beratung vor Ort. Die Pandemie zeigt aber, wie wichtig der Schritt hin zu digitalen Angeboten ist.

Von dpa 11.10.2021, 07:26
Ein Mann gießt am Abend aus einer Flasche Schnaps in ein Glas.
Ein Mann gießt am Abend aus einer Flasche Schnaps in ein Glas. Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Magdeburg - Die Suchtberatungsstellen in Sachsen-Anhalt haben im Corona-Jahr 2020 weniger Menschen begleitet. Es habe knapp 10.900 Betreuungen gegeben und damit rund 600 weniger als im Jahr zuvor, teilte die Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen, Helga Meeßen-Hühne, auf Anfrage in Magdeburg mit. Suchtberaterinnen und -berater seien teils im Homeoffice gewesen, die Arbeitsfähigkeit der Beratungsstellen habe teils erst nach und nach hergestellt werden müssen. Zudem seien Beraterinnen und Berater selbst von Corona betroffen gewesen, ob mit einer eigenen Erkrankung oder Quarantäne oder über Angehörige.

Es sei deshalb zu vermuten, dass es im Jahr 2020 geringere Beratungskapazitäten gab - was auch erkläre, warum es weniger Betreuungen gegeben habe, so Meeßen-Hühne. „Die Suchtberatungsstellen berichten, dass die telefonischen Hilfeanfragen während der Pandemie stark angestiegen seien.“

In dieser Situation sei deutlich geworden, wie wichtig die Entwicklung ergänzender digitaler, trägerübergreifender Suchtberatungsangebote sei. Suchtberatung auch online zu ermöglichen sei in der digitalen Agenda des Landes Sachsen-Anhalts vorgesehen. So könnten sich auch Menschen aus entlegeneren Gegenden und außerhalb der Öffnungszeiten der Beratungsstellen Hilfe holen. „Es sollen mehr Betroffene mit Suchtberatung erreicht werden als bislang schon, und so im Effekt mehr Menschen in ihrer Erwerbsfähigkeit unterstützt werden“, fasste Meeßen-Hühne zusammen.

Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und FDP heißt es, die vorhandenen Anlaufstellen zur Suchtberatung sollten gestärkt und um digitale Angebote ergänzt werden. „Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, dass durch die Anonymität der Online-Beratung neue Klienten angesprochen werden konnten“, heißt es im Koalitionsvertrag. Meeßen-Hühne erklärte, zusätzliches Personal für die digitale Suchtberatung müsse sich auch im Landeshaushaltsplan widerspiegeln.