Magdeburg (dpa) l Immer mehr Senioren nehmen das Angebot der Tafeln in Sachsen-Anhalt in Anspruch. "Man spürt die zunehmende Altersarmut", sagte der Landesvorsitzende des Vereins, Andreas Steppuhn, der Deutschen Presse-Agentur. Demnach kämen mehr ältere Menschen, deren Rente aufgrund von Langzeitarbeitslosigkeit und niedriger früherer Einkommen nur für eine gewisse Grundsicherung reiche.

Vor allem um das Problem der Altersarmut zu bekämpfen, sieht der Landesvorsitzende die Politik in der Verantwortung. Laut Steppuhn müsse das Rentenniveau angehoben werden. "Wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf im Alter nicht arm sein", lautet darum eine der Forderungen der Tafel. Steppuhn sitzt für die SPD im sachsen-anhaltischen Landtag.

Insgesamt stieg die Zahl der Bedürftigen bei den Tafeln im Jahr 2017 leicht an. Kamen 2016 noch 52.000 Menschen zu einer der 100 Ausgabestellen im Land, waren es 2017 etwa 55.000, sagte Steppuhn. Mit der steigenden Nachfrage wachse zwar auch das Angebot der Lebensmittelspenden. Doch eine Vollversorgung könnten die Tafeln nicht leisten. Vor allem Lebensmittel mit langer Haltbarkeit wie Nudeln oder Reis seien gefragt. Doch werde nur wenig gespendet.

"Wir können am Ende nur das verteilen, was wir haben", sagte Steppuhn. Zukaufen sei gemäß der Statuten der Tafeln nicht erlaubt, aber auch gar nicht möglich. Denn die eher seltenen Geldspenden würden vor allem in die Logistik gesteckt. Wegen der begrenzten Haltbarkeit müssten die Lebensmittelspenden schnell verteilt werden, dabei fielen hohe Kosten an.

Kooperation mit Geschäften notwendig

Darum sind die Tafeln auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen, kooperieren vor allem mit Supermärkten und Discountern. Doch auch Aktionen wie der "Dosenmarathon" der Stadt Weißenfels helfen. Wie die Stadt mitteilte, werden noch bis zum 15. Januar Konservendosen gesammelt. Aus den Spenden soll dann gemeinsam mit der Tafel in Weißenfels ein Essen für Bedürftige gekocht werden. Einige Dosen seien bereits abgegeben worden, sagte eine Sprecherin der Stadt, zudem abgepackter Kuchen und andere länger haltbare Lebensmittel.

Neben Senioren kommen auch öfter Menschen mit psychischen Erkrankungen zu den Tafeln. Laut Steppuhn könnten sie am Arbeitsmarkt und somit in der Gesellschaft nicht mehr Schritt halten. Dadurch seien sie auf andere Hilfen wie beispielsweise die der Tafeln angewiesen.

Entspannt habe sich hingegen die Lage beim Thema Flüchtlinge. Die Zahl der bedürftigen Migranten bei den Tafeln in Sachsen-Anhalt sei rückläufig, sagte Steppuhn.