Verband erwartet schwaches Gästeplus von knapp zwei Prozent / Werbung im Internet speziell für junge Leute. Von Tom Koch

Tourismus im Harz: Desaster noch abgewendet

Der Harztourismus hat im Vorjahr das 2010er-Gästeminus ausgleichen können. Die gestern vom Verband in Goslar präsentierten Zahlen machen zugleich deutlich, der Wettbewerb wird immer härter, die Rufe nach neuen Angeboten lauter.

Goslar/Wernigerode l Gerade so mit dem sprichwörtlichen blauen Auge ist der Harz davongekommen. Die für 2011 vorgestellte Tourismusbilanz geht von einem leichten Plus von 1,6Prozent bei den Übernachtungen aus. Das bedeutet, rund 6,2Millionen Mal haben Urlauber ihr Haupt auf den Betten zwischen Altenbrak im Harzkreis und Zorge im niedersächsischen Kreis Osterode am Harz gelegt.

Allerdings, so musste Carola Schmidt als Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes vor der Presse einschränken, die konkreten Zahlen wollen die Statistischen Landesämter erst in einigen Tagen liefern. Die gestern in Goslar genannten Daten stammen aus der bis November vorliegenden Statistik, Schätzungen anhand der Erfahrungen und Umfragen bei den Harzer Orten.

Laut Schmidt könne die nördlichste deutsche Mittelgebirgsregion für das Vorjahr mit rund zwei Millionen Besuchern auch bei den sogenannten Ankünften ein zweiprozentiges Plus vorweisen.

"Wir sind extrem schwach gestartet und haben stark aufgeholt."

Damit ist es dem Harz gelungen, ein Desaster abzuwenden. Mit minus 6,5Prozent standen die ersten sechs Monate in den Büchern. Im Volksstimme-Gespräch nannte Carola Schmidt dafür das schlechte Wetter als Grund: "Wir sind extrem schwach gestartet und haben stark aufgeholt." Während in Niedersachsen vor allem die Küsten von Nord- und Ostsee als Ferien-Hochburgen gelten, sind für Sachsen-Anhalt die Orte rings um den Brocken die Urlaubsregion schlechthin. Allein Wernigerode mit seinen fast 7000Betten in Hotels, Pensionen und privaten Gästehäusern kann auf jährlich mehr als eine Million Übernachtungen und rund 320000Ankünfte verweisen.

Tourismuschefin Schmidt kündigte an, im Wettbewerb um Urlauber wolle der Harz jünger und internationaler werden. Dazu passt, dass sie ab heute einen Journalistentross aus der Türkei begrüßen kann, der sich einige Tage lang im Harz speziell mit den Wintersportangeboten vertraut machen will.

In den nächsten Tagen werde der Verband seine Internetangebote in englischer, niederländischer und dänischer Sprache freischalten, hieß es. Hoffnungen setzen die Goslarer Marketingexperten zudem auf Angebote wie Twitter und Facebook. 800sogenannter Internet-Freunde kann der Tourismusverband derzeit vorweisen. Deren Zahl soll binnen dieses Jahres möglichst vervierfacht werden, gab Carola Schmidt als Ziel vor.

"Wollen die Zahl unserer Facebook-Freunde vervierfachen."

Dazu beitragen soll ab Frühjahr eine Imagekampagne mit Kurzfilmen zum Thema "Verborgene Welten", die in Sportgeschäften ausgestrahlt werden - zugeschnitten speziell auf jüngere Zielgruppen. Dass der Harz noch immer eine beliebte Ferienregion der Deutschen ist, ist auch der Wirtschaftskrise zu verdanken. Nach Verbandsangaben würden wieder mehr Familien mit Kindern zu den Gästen zählen, die früher im Ausland ihre Ferien verlebt haben. Auf diesen Effekt hatten die Goslarer bereits vor Jahren gehofft und dafür den Slogan "Lieber Harz als Honolulu" geprägt.

Sowohl Carola Schmidt als auch Verbandsvorsitzender Stephan Manke (siehe nebenstehendes Interview) sprachen sich für neue alpine Wintersportangebote in der Region aus. Harzer Umweltverbände hatten solchen Plänen auf dem Wurmberg bei Braunlage und in Schierke eine klare Absage erteilt (Volksstimme berichtete). Der Ausbau der Skipisten dort sei sinnvoll, hieß es hingegen vom Harzer Tourismusverband. Nur mit modernen Wintersportangeboten könne die Region im Wettbewerb mit anderen deutschen Mittelgebirgen bestehen.

Gegenüber der Volksstimme kündigte Stephan Manke (SPD) als Goslarer Landrat an, auch die Verwaltung des Harzkreises an dem Verfahren zu beteiligen. Obwohl dies formell in dem Bebauungsplan-Verfahren für den Wurmberg nicht vorgeschrieben sei, wolle man "gutnachbarliche Beziehungen pflegen".

"Der Ausbau von Skipisten am Wurmberg ist sinnvoll."

Eine solche Forderung hatten auch die Naturschutzverbände erhoben. Auf Nachfrage bekräftigte gestern Abend der Harzer Landrat Michael Ermrich (CDU), in jedem Falle bei seinem Goslarer Kollegen um die Planungsunterlagen zu bitten. "Bei raumordnerisch so bedeutsamen Vorhaben wie der Erweiterung des Wintersportgebiets am Wurmberg, unmittelbar an der Grenze zum Harzkreis gelegen, wünschen wir uns schon eine solche Beteiligung."

Facebook und Alpinsport sollen nicht allein für den Urlaub im Harz stehen. Wanderangebote zählten laut Tourismusverband zu den starken Säulen im Geschäft. Dazu gehöre der Harzer Hexenstieg, ein knapp 100Kilometer langer Wanderweg von Osterode über den Brocken nach Thale.

Geschätzt 50000Wanderer würden jährlich die komplette Route begehen. Werden hingegen jene Gäste gezählt, die auf Teilstrecken unterwegs sind, ist der Niedersachsen und Sachsen-Anhalt seit neun Jahren verbindende Hexenstieg eine Erfolgsgeschichte: Allein auf dem Goetheweg vom Torfhaus zum Brocken gibt es pro Jahr rund eine Million Wanderer.