Zeitz (dpa) l Tief unter der Altstadt von Zeitz (Burgenlandkreis) liegt ein kilometerlanges Labyrinth von Gängen. Auch hier, im "Unterirdischen Zeitz", sind die Auswirkungen der Trockenheit spürbar. "Normalerweise sind Wasseradern aktiv, aber seit der Trockenheit im Vorjahr hat sich etwas geändert", sagt der Geschäftsführer des Vereins "Unterirdisches Zeitz", Andreas Wilke. "Am auffälligsten zeigt sich das am Zustand des Brunnens in einem der Gänge. Der Brunnenboden ist total ausgetrocknet und hat tiefe Risse bekommen."

Auch die Besucher, die hier unten von einer Gästeführerin begleitet werden, sind verwundert. Die Frau zeigt auf einen glatten Stein an der Wand: An dieser Stelle sei sonst immer Wasser ausgetreten, aber mittlerweile sei der Stein nur noch feucht. "Das hätte ich nicht erwartet," sagt ein Besucher. Er gehört zu den etwa 6000 bis 7000 Menschen, die jährlich in die ungewöhnliche "Unterwelt" von Zeitz hinabklettern.

Der Verein hofft auf anderes Wetter. "Wenn es wieder mehr regnet, könnte sich der Wasserfluss normalisieren", sagt Wilke. Mehrere Wasseradern durchziehen ohnehin das Gestein unter der Stadt. "Es ist nicht bekannt, woher das Wasser kommt", sagt der Heimatkundler und Schriftsteller Rudolf Drößler. Möglicherweise wurden beim Bau wasserführende Schichten angeschnitten.

Tiefe Tunnel im Buntsandstein

Die Tunnel wurden von mehreren Generationen im 14. bis 16. Jahrhundert mit einfachsten Mitteln mühselig in den Buntsandstein getrieben – bis in eine Tiefe von elf Metern hinab. Das war möglich, weil Buntsandstein relativ stabil ist, aber zugleich noch mit Muskelkraft bearbeitet werden kann. "Die Gesamtlänge wird auf rund neun Kilometer geschätzt", sagt Wilke. "Eine genaue Übersicht existiert nicht. Ab und zu werden neue Gänge entdeckt."

Und wozu der Aufwand? "Trinkwasser war nicht besonders sauber, also wurde Bier quasi als Grundnahrungsmittel getrunken", sagt Wilke. "Ebenso gab es Biersuppe, weil der Alkohol beim Kochen verflog, konnte damit die ganze Familie einschließlich Kinder ernährt werden."

Das Bier wurde im großen Stil zur Erntezeit der Gerste gebraut. Um die Brandgefahr einzudämmen, geschah dies in zentralen Sudhäusern. Hier entstand das sogenannte "Jungbier". Die Menschen holten sich ihren in Fässer abgefüllten Anteil, je nachdem wie viel sie Biersteuer zahlten. Die Gänge in vier bis acht Meter Tiefe erwiesen sich als die besten Vorratskammern. Hier war es dunkel und es herrschte das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von 12 bis 13 Grad sowie 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

30 Meter Tunnel pro Familie

"In etwa 300 Häusern wurde damals Bier gelagert. Jede Familie benötigte im Schnitt etwa 30 Meter Tunnel", sagt der Geschäftsführer. "Damals waren die Gänge noch nicht miteinander verbunden, das geschah erst im Zweiten Weltkrieg, als die Tunnel als Luftschutzbunker genutzt wurden.".

Die Tradition der eigenen Bierlagerung verlor mit der Gründung von Bierbrauereien schleichend an Bedeutung. Zuletzt nutzten die Menschen die Gänge, um sich ihres Mülls auf kostensparende Weise zu entledigen.

Nach der Wende gründeten Interessierte den Verein, schaufelten die Gänge frei und legte Lichtleitungen. Mit Hilfe neuer Durchbrüche gibt es seit 1992 eine Touristenstrecke von mehreren Hundert Metern.