Magdeburg l Landwirt Jürgen Arndt lässt auf der rund 100 Hektar großen schwarzen Fläche bei Ermsleben im Landkreis Harz den Gutachter alles vermessen. Bis zum letzten Wochenende war das noch ein Weizenfeld. Die Versicherung soll nun den Schaden begleichen, Arndt schätzt ihn auf rund 120.000 Euro.

„Seit drei Monaten gab es keinen Regen hier bei uns. Die Dürre ist so schlimm wie seit 1976 nicht mehr“, sagt er und fährt mit Hochdruck seine Ernte ein. Zumindest das, was die Trockenheit übrig gelassen hat. „Ich rechne beim Weizen und Raps mit Einbußen zwischen 40 und 50 Prozent“, sagt Arndt. Bis 25. Juli will er alles abgeerntet haben. In normalen Jahren beginnt da erst die Arbeit.

Doch normal ist aktuell nichts, daran ändern auch die angekündigten Regenschauer kaum etwas. Andreas Goldschmidt vom Landeszentrum Wald: „Es kommen ständig neue Meldungen von kleineren und größeren Waldbränden, deshalb hinken wir mit unseren Zahlen hinterher“, sagt er. Aktuell sind es 60 Brände mit etwas mehr als 71 verbrannten Hektar Wald in diesem Jahr. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 standen bei 23 Bränden rund fünf Hektar in Flammen. Laut Goldschmidt hatte fast jeder der gemeldeten Waldbrände mit einem brennenden Feld begonnen.

Höchste Waldbrandwarnstufe

Das Innenministerium lässt sich seit Donnerstag wegen der hohen Trockenheit und nach dem großen Waldbrand bei Coswig im Landkreis Wittenberg täglich über größere Brände von den elf Landkreisen und drei kreisfreien Städten informieren. Nach diesen Meldungen kamen in sechs Tagen mehr als 120 Brände auf etwa 270 Hektar Fläche zusammen. „Einen Anspruch auf Vollständigkeit haben die Zahlen aber nicht“, so Innenministeriumssprecher Stefan Brodtrück.

Die nun angekündigten Niederschläge dürften nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Robert Noth, diensthabender Meteorologe beim Wetterdienst Leipzig, hält fünf bis zehn Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden in der Börde, Magdeburg und der Altmark örtlich für möglich. Dienstag hatten im nördlichen und mittleren Sachsen-Anhalt noch fast alle Landkreise die höchste Waldbrandwarnstufe fünf. Nur in Magdeburg und im Salzlandkreis gilt die zweithöchste Stufe vier. Ab Freitag wird bereits wieder trockenes, warmes Wetter erwartet.