Dessau-Roßlau (dpa) l Die lang anhaltende Trockenheit in Sachsen-Anhalt hat auch eine gute Seite: Stechmücken haben es derzeit schwer. Bislang seien die Plagegeister nur wenig vertreten, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) auf Anfrage mit. Für den Experten Norbert Becker aus Speyer in Rheinland-Pfalz sind Trockenheit und niedrige Wasserstände die Hauptgründe für ein relativ entspanntes Stechmücken-Jahr. Genaue Zahlen zum Vorkommen der Mücken in Sachsen-Anhalt erfasst das LAV aber nicht.

Becker ist wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) am Oberrhein. Er beobachtet auch die Entwicklung in anderen Regionen Deutschlands, wie etwa an der Elbe. Die Mücken oder Schnaken brüten Becker zufolge vor allem entlang der Flussläufe und Auen. Ihre Eier legen sie dort in Senken ab – werden die Flächen dann überschwemmt, schlüpfen die Larven. Durch den extrem niedrigen Wasserstand der Elbe komme es dazu aber kaum. "Die Mücken brauchen Wärme und Wasser", sagte Becker. "Dieses Jahr haben wir zwar viel Wärme, aber das Wasser fehlt."

Eine Garantie, dass die Mückenlage so entspannt bleibt, gibt es laut Becker aber nicht. "Wir können keine Prognose abgeben." Zwei Tage Dauerregen könnten ausreichen, um die Wasserstände steigen zu lassen und damit die Bedingungen für die Mückenlarven zu verbessern. Bis in den September hinein könne der Mückennachwuchs noch schlüpfen. "Erst im Oktober ist dann definitiv Schluss", sagte Becker.

Die Kabs hat sich die Eindämmung der Stechmückenplage am Oberrhein auf die Fahnen geschrieben. Die Mitarbeiter erfassen bei einem Hochwasser das Aufkommen der Mückenlarven und bekämpfen die Stechmückenbrut mit biologischen Mitteln. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es in Sachsen-Anhalt nach Angaben des LAV nicht. Es gebe auch keine koordinierte Bekämpfung von Mückenlarven.