Magdeburg l Die Ausgangslage ist klar: Das Bildungsministerium beharrt auf die Schulpflicht. Trotzdem wollen Schüler aus Sachsen-Anhalt Freitag auch während des Unterrichts wieder für Klimaschutz demonstrieren. Nach 350 Teilnehmern bei der ersten Demo in Magdeburg vergangene Woche erwarte man diesmal bis zu 200 Schüler und Studenten, sagte Fiona Lauer vom ausrichtenden Bündnis „Fridays for Future Magdeburg“.

Nachdem die erste Kundgebung um 10 Uhr begonnen hatte, soll es diesmal erst 12.30 Uhr auf dem Domplatz losgehen – für viele Schüler ist der Unterricht dann schon beendet. Das sei aber kein Zugeständnis an das Bildungsministerium, sagte Lauer. Vielmehr hätten Schüler darum gebeten, die Zeiten zu variieren, damit sie nicht zu häufig dieselben Stunden versäumen. Ein weiterer Grund sei die Zeugnisausgabe vor den beginnenden Winterferien.

Ministerium verweist auf Schulpflicht

Das Bildungsministerium hält derweil an seiner Position fest: „Es besteht Schulpflicht. Daran wird sich nichts ändern“, sagte Sprecher Stefan Thurmann. Die Behörde von Minister Marco Tullner (CDU) hatte im Januar alle Schulleitungen aufgefordert, Verstöße dem Landesschulamt zu melden. Falls erforderlich, sollten Lehrer im Einzelfall auch auf mögliche Sanktionen wie Geldbußen hinweisen. Über den Umgang mit Schülern, die wiederholt der Schule fernbleiben, entscheiden im ersten Schritt die Schulen, sagte Thurmann. Nach Kenntnis des Ministeriums würden die Vorgaben vor Ort sensibel gehandhabt.

Kritik kommt nicht nur von Linken und SPD, sie hatten die Schülerproteste vergangene Woche unterstützt. Auch Lehrer nehmen protestierende Schüler nun in Schutz: „Es ist sicher diskussionswürdig, zu Streiks während der Schulzeit aufzurufen“, sagte Andrea Quittenbaum, Lehrerin am Magdeburger Hegelgymnasium. „Diese Schüler lungern ja aber nicht während des Unterrichts irgendwo herum, sie engagieren sich. Ihnen dafür mit Meldungen oder Strafen zu drohen, ist mindestens ebenso diskussionswürdig.“

Debatte über Schüler-Demos

cEuropaweit demonstrieren Schüler seit Wochen freitags während der Schulzeit für den Klimaschutz. Ideengeberin ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Der Umgang mit den Protesten wird kontrovers diskutiert. Dabei geht es um die Frage, ob das Demonstrationsrecht der Schüler Vorrang hat oder die Schulpflicht. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisiert die Demos: Glaubwürdiger wäre es, wenn Schüler sich in der Freizeit versammeln würden, sagte er dem WDR. Die EU-Kommission hingegen begrüßt die Proteste. In Belgien treibt die Debatte unterdessen Blüten: Die flämische Umweltministerin Joke Schauvliege musste zurücktreten, nachdem sie Schülern vorgeworfen hatte, sich mit den Demos gegen sie zu verschworen zu haben.

Ein Ende der Aktionen ist derweil auch in Sachsen-Anhalt nicht absehbar. „Fridays for Future Magdeburg“ kündigte bereits weitere Demonstrationen für den 1. und 15. März an.