Magdeburg l Fußgänger und Radfahrer können die Tunnelbaustelle am Magdeburger Hauptbahnhof seit Monaten in weiten Teilen wieder passieren – zum Schuljahresbeginn ist nun die Straßenbahn an der Reihe. Ab 27. August lassen die Magdeburger Verkehrsbetriebe hier vier Linien 1, 3, 4 und 6 fahren.

Von Interesse für alle, die zwischen Straßenbahn und Zug umsteigen möchten: Die Haltestelle auf dem Willy-Brandt-Platz zwischen Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs und dem Einkaufszentrum City Carré geht wieder in Betrieb. Künftig heißt diese Station Hauptbahnhof-Ost. Das Gegenstück, die zentrale Umsteigehaltestelle am Kölner Platz, ist noch nicht fertig.

Trotz Einschränkungen erreichen die Bauleute mit der Freigabe der Straßenbahnverbindung ein wichtiges Etappenziel – das so nie geplant war. Denn ursprünglich sollte der Straßenbahnverkehr zwischen den Stadtteilen im Westen der Landeshauptstadt allenfalls für einige Monate, nicht aber für Jahre unterbrochen werden.

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Seit 1. April 2017 war die Strecke dicht

Nachdem sich der Bau aber komplizierter als geplant herausgestellt hatte, zogen die Bauherren im Frühjahr 2017 die Reißleine: Seit 1. April jenes Jahres war diese wichtige Verbindung für den öffentlichen Personennahverkehr dicht, und die Fahrgäste der Magdeburger Verkehrsbetriebe mussten große Umwege in Kauf nehmen.

Das bedeutete nicht allein für die Bürger Ärger – auch für die Magdeburger Verkehrsbetriebe. Die nämlich hatten sich schon eine Kampagne zurechtgelegt, mit der für die Straßenbahn als im Vergleich zum Auto schnellere Verbindung geworben wurde. Mit den Umleitungen auch für die Straßenbahnen gab es aber nichts als Kundenfrust und sinkende Passagierzahlen.

Vor wenigen Tagen wurde an der Baustelle schon einmal der Bauzaun verrückt, so dass nun der Blick auf die frisch verlegten Gleise frei ist. Diese sind auf der Tunneldecke montiert, die sich über der zum Teil ausgehobenen und im Ausbau befindlichen Röhre befinden.

Kosten werden höher ausfallen

Zu den Baukosten für das Gesamtprojekt des Tunnels am Magdeburger Hauptbahnhof lautet die offizielle Zahl seit zwei Jahren: Knapp 140 Millionen Euro. Rund die Hälfte muss die Landeshauptstadt Magdeburg zahlen, die andere Hälfte kommt von der Deutschen Bahn. Schon jetzt ist aber klar, dass die Kosten aufgrund der Verzögerungen beim Bau noch höher ausfallen werden. Unter anderem gab es Planungsfehler. Letztlich ist daher noch nicht klar, wer die Kostensteigerungen am Ende tragen muss. Denkbar ist, dass darüber erst in einem langwierigen Gerichtsprozess entschieden wird.

Für die Magdeburger Stadtverwaltung ist auf jeden Fall klar: So lange kann sie nicht warten. Ansonsten wäre dieser letzte für Magdeburger und Besucher der Stadt relevante Termin in Gefahr: Es geht um die Freigabe des Tunnels für den Autoverkehr. Bislang ist von Ende 2021 oder Anfang 2022 die Rede.

Notwendig wurde der Bau des Autotunnels übrigens, da die Deutsche Bahn neue Brücken benötigte. Damit waren die Sondergenehmigungen für den Betrieb der Straßenbahnen unter den mehr als 120 Jahre alten Vorgängerbauwerken hinfällig. Und mit dem neuen Tunnel sollen die unter den Neubauten noch schwierigeren Platzverhältnisse gemeistert und die Verkehrsarten getrennt werden.