Start für Berufungsprozess vor dem Landgericht gegen drei rechtsextreme Schönebecker

Überfall auf Döner-Imbiss Zufall oder Plan?

Von Winfried Borchert

Vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Magdeburg begann gestern der Berufungsprozess gegen drei Rechtsextreme aus Schönebeck. Sie sollen in der Neujahrsnacht 2011 einen türkischen Imbiss überfallen und den Inhaber schwer verletzt haben.

Magdeburg l War das, was sich in der Neujahrsnacht in dem Schönebecker Döner-Lokal abspielte, eine gemeinschaftlich geplante Tat wie die Staatsanwaltschaft annimmt oder Zufall, wie die Verteidigung glauben machen möchte? Der gestrige erste Prozesstag in dem Berufungsverfahren gegen die drei Schönebecker Thomas M. (23), Francesco L. (26) und Robert O. (20) brachte darüber noch keinen Aufschluss.

Der 50-jährige Imbiss-Inhaber Ali I., der als Nebenkläger auftritt, berichtete im Zeugenstand, wie die Angeklagten M. und O. zunächst gegen 3 Uhr den Imbiss betreten hatten, angeblich um Zigaretten zu kaufen. "Die wollten die Situation checken, um später wiederzukommen", vermutete Ali I. gestern. Denn rund eine Stunde später sei M. in Begleitung anderer erneut aufgekreuzt und habe Streit gesucht. Begleitet von dem Satz "Du bist kein Deutscher!" soll M. dem Imbissbetreiber Zigarettenrauch ins Gesicht gepustet und ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Kurz darauf hätten Begleiter M.s das sich wehrende Opfer festgehalten, während weitere ebenfalls zugeschlagen und getreten haben. Als die Schläger abzogen, hatte Ali I. Verletzungen an Kopf und Körper, musste drei Tage im Krankenhaus versorgt werden. Noch einen Monat später plagten ihn Schmerzen. Auch ein Gast, der mit 25 anderen in dem Lokal friedlich Silvester feiern wollte, wurde von den Schlägern verletzt.

In erster Instanz vor dem Amtsgericht Schönebeck hatten die Richter eine gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung verneint und die Angeklagten Francesco L. und Robert O. freigesprochen. Lediglich M., gegen den zuvor wegen einer anderen Straftat eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängt worden war, bekam durch das Urteil einen "Nachschlag" von drei Monaten und musste ins Gefängnis einziehen. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg will in dem von ihr beantragten Berufungsprozess eine Gemeinschaftstat nachweisen und die Freisprüche für L. und O. revidieren lassen.

M. und L. sind bekannte Gewalttäter. M. hatte unter anderem einen Neonazi-Aussteiger stundenlang in dessen Wohnung zusammengeschlagen. L. ist einer der Schläger, die 2006 in Pömmelte (Salzlandkreis) einen zwölfjährigen schwarzafrikanischen Jungen über eine Stunde lang rassistisch beleidigt und schwer misshandelt hatten. L. stand in der Januarnacht 2011 deshalb noch unter Bewährung.

Das Opfer konnte gestern in seiner Aussage die These der Gemeinschaftstat nicht stützen. Zwar hätten ihn der Angeklagte M. und weitere, ihm unbekannte Personen, geschlagen. Die Mitangeklagten L. und O. seien aber nicht darunter gewesen.

Zeugin Nadine S., die in der Nacht zu den Feiergästen gehörte, schilderte, wie Thomas M. bei seinem zweiten "Besuch" im Lokal mit einem Gast Streit angefangen habe. Als Ali I. dazwischengegangen sei, habe ihm M. "sofort einen Kinnhaken versetzt". Die unter den Neuankömmlingen befindliche Jennifer S., Freundin und spätere Ehefrau des Hauptangeklagten, habe ihr, Nadine S., dann geraten "geh in die Küche und bleib da, bis alles vorbei ist". Als sie später die Küche verließ, erkannte sie den Imbissbetreiber kaum wieder. "Sein Kopf war vollkommen mit Blut verschmiert".

Am nächsten Montag wird der Prozess fortgesetzt. Zunächst sind vier Prozesstage anberaumt.