Magdeburg l Kurz vor Feierabend bei der Kaffeetasse im Magdeburger Stadtfeld. Die letzten Gäste kommen mir aus dem Café entgegen und halten mir die Tür auf. Seit vier Monaten ist das Unternehmen bei der App „Too Good to go" dabei. Über die App habe ich mir eine Mahlzeit reserviert. Was mich erwartet, weiß noch nicht. Neben der Kaffeetasse bieten in Magdeburg noch vier weitere Gastronomiebetriebe und Bäckereien Mahlzeiten über die App zum Preis zwischen zwei und vier Euro an.

Mitarbeiter Udo Riedel empfängt mich freundlich. Zwei Stücken Kuchen darf ich mir für meine Reservierung aussuchen. Diese wären sonst im Müll gelandet, da das Lebensmittelgesetz und die Hygieneverordnung in der Gastronomie strengen Vorschriften unterliegen. Riedel packt den Kuchen in eine Box aus biologisch-abbaubarem Material. Ich bezahle bargeldlos über die App „Too Good to go", die mit meinem PayPal-Konto verknüpft ist. Die Zahlung ist erfolgt, die Lebensmittel überreicht.

Auf meine Frage hin, ob sich dieses Konzept überhaupt fürs Café lohnt, antwortet der Kaffeetassen-Mitarbeiter es sei definitiv besser, als die Lebensmittel wegzuschmeißen. Zumal diese recht schnell verderblich seien. So sei die Vitrine abends oft leer und alle wären glücklich. Die meisten App-Nutzer schätzt Riedel um die 30 Jahre ein, darunter seien vermutlich viele Studenten. Sorge, dass Kunden künftig nur noch am Abend kommen, um übrig gebliebene Lebensmittel zu kaufen, bestünde nicht, denn die Anzahl der Mahlzeiten sind durch die App regulierbar.

In  der Kaffeetasse habe man auch schon darüber nachgedacht, übrig gebliebene Lebensmittel zu spenden und eine Anfrage bei der Tafel gestellt. Allerdings wäre eine Abholung der Lebensmittel bei so kleinem Lieferumfang nicht möglich und eine Lieferung auf anderer Seite logistisch nicht möglich. Eine weitere Hürde stelle die schnelle Verderblichkeit der Lebensmittel dar. Ähnlich gehe es Bäckereien, denn auch deren Brot wird schnell hart. Ich nehme meine Box und verabschiede mich von Mitarbeiter, der gerade den Tresen abwischt. Als letzter Gast verlasse ich das Café und mache mich zufrieden mit meinem Kuchen auf den Heimweg.