Magdeburg (dpa) l Ob Autowracks, ausgemusterte Kühlschränke, Fahrzeugbatterien oder mit Schadstoffen belasteter Bauschutt: In Sachsen-Anhalt verursachen skrupellose Umweltsünder durch illegale Müllentsorgung den Kommunen immense Kosten. Der personelle und materielle Aufwand für die Beseitigung der Schäden schlägt mit Zehntausenden Euro zu Buche, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. So hat der Abfallwirtschaftsbetrieb Magdeburg im Vorjahr rund 325 Tonnen illegal entsorgten Mülls beseitigen müssen, wie Sprecher Michael Reif sagte.

Magdeburg beauftragt Entsorger

Dafür fielen der Stadt Kosten in Höhe von 39.000 Euro an. "Zudem musste unser Umweltamt 2015 mit einem Volumen in Höhe von rund 5600 Euro externe Entsorger beauftragen", sagte er. Dazu gehören Firmen, die auf die umweltgerechte Entsorgung von gesundheitsgefährdenden Abfällen wie Asbest, Dämmwolle, Teer oder Altöl spezialisiert sind. Davon kamen allein im Vorjahr rund zehn Tonnen zusammen.

Der Müllsünder habhaft zu werden, fällt den Ordnungsämtern trotz Kontrollen schwer, denn sie nutzen für ihre Touren häufig die Dunkelheit – und "Straßen, Wege und Wiesen, wo man sich unbeobachtet fühlt", schilderte Klaus Ortmann von der Stadt Stendal.

Müll im Naturschutzgebiet

Trotz der kostenlosen Angebote zur Sperrmüllentsorgung und der Wertstoffannahmestellen landet auch in Halle immer wieder Müll in der Landschaft oder gar im Naturschutzgebiet. Dazu gehören Möbel, Elektrogeräte und Reifen. Rund 68.700 Euro musste die Stadt Halle 2015 für das Beseitigen illegal entsorgten Mülls (124 Tonnen) ausgeben. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 28.600 Euro, wie ein Sprecher mitteilte. Neun Verstöße gegen das Ablagern von Abfällen laut Kreislaufwirtschaftsgesetz wurden 2015 in Halle geahndet – und 1600 Euro Bußgeld eingenommen.

In Magdeburg führte das Ordnungsamt 2015 insgesamt 35 Verfahren. Dabei wurden elf Bußgeldbescheide und 24 Verwarnungen im Gesamtumfang von rund 3500 Euro erteilt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 20 Verfahren mit neun Bußgeldbescheiden und elf Verwarnungen von zusammen 1200 Euro. "Prinzipiell muss der Müll gemäß des Verursacherprinzips vom Verursacher entsorgt werden", erläuterte Thomas Sagefka, Stadtsprecher von Zeitz (Burgenlandkreis) die rechtliche Lage.

Frühjahrsputz in Wittenberg

Während Wittenberg sich für das Reformationsjubiläum 2017 schön macht, muss es auch gegen Müllsünder kämpfen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden in der Lutherstadt rund 13.800 Euro für die Beseitigung von illegalem Müll (2015 insgesamt: 11.400 Euro) ausgegeben. "Die Mehrkosten in diesem Jahr entstanden hauptsächlich durch unsere Aktion Frühjahrsputz, an der sich 600 Wittenberger beteiligt haben", sagte eine Sprecherin der Stadt.

Angesichts der relativ geringen Aufklärungsquote bei Müllsündern greifen Kommunen und engagierte Bürger im Land auch zur Selbsthilfe. Rund 8400 Menschen folgten dem Aufruf "Magdeburg putzt sich !" und befreiten allein im Frühjahr Flächen von allerlei Unrat, wie Stadtsprecher Reif sagte. "Denn in sauberen und gepflegten Anlagen fühlen sich die Menschen viel wohler", sagte der Stendaler Sprecher Ortmann.