Wernigerode l In der Selbständigkeit hat sie ihre Balance gefunden. Seit zehn Jahren leitet Susanne Teich ihre eigene Yogaschule in Wernigerodes Innenstadt – mit Erfolg. Zu ihrem Kundenstamm zählt die 47-Jährige rund 250 Kursteilnehmer aus der Region von Thale und dem Oberharz bis nach Osterwieck und Halberstadt. „Ich erreiche alle Altersklassen von 17 bis 83 Jahren“, sagt sie selbstbewusst. Dazu berät sie zu Salotugenese, einer Lehre, die auf Gesundheits- und Lebensziele ausgerichtet ist, und gibt Kurse an Schulen und Kindergärten.

Dass sich der Schritt zur eigenen Chefin für Teich gelohnt hat, zeigte Freitag, 18. Oktober: Der AMU Unternehmerinnenverband Sachsen-Anhalt zeichnete die Harzerin als Solo-Unternehmerin 2019 aus. „Ich wusste, dass mich eine Kursteilnehmerin nominiert hat, war von daher nicht ganz überrascht“, sagt die Mutter von zwei Mädchen. Ihre Töchter Henriette und Emily, 17 und 20 Jahre alt, sollen das Preisgeld von 1000 Euro unter sich aufteilen, berichtet Susanne Teich. „Sie haben mir durch die härteste Zeit geholfen.“

Die ehemalige Krankenschwester baute ihre Schule für Yoga und Salutogenese auf, als sie sich von ihrem Mann scheiden ließ. „Damals haben als alleinerziehende Mutter viele Zweifel an mir genagt, ob ich den Spagat zwischen Familie und Unternehmen schaffe.“ Doch ihre beiden Mädchen hätten nie gejammert, sie immer wieder bestärkt.

Angefangen mit acht Kursteilnehmern

„Anfangs stand ich vor acht Kursteilnehmern im Gemeinderaum der Johaniskirche in Wernigerode“, berichtet Susanne Teich. Dabei habe sie gelernt, für ihr Unternehmen sei ein gutes Netzwerk entscheidend – „gerade in einer kleinen Stadt wie Wernigerode“. Umso wichtiger sei es in einem solchen Umfeld, sich einen guten Ruf zu erarbeiten. „Ich nutze jede Chance für Weiterbildungen, Seminare und Workshops.“ Das komme beim Kunden an. Zu ihrem Erfolgsrezept gehören außerdem: „Begeisterung für meinen Job und Konsequenz.“ Letztere beweise die Unternehmerin damit, dass sie täglich auf eine Viertelstunde Mittagsschlaf besteht. „Schließlich endet der letzte Kurs erst um 21.30 Uhr – da möchte ich noch fit sein“, erläutert die 47-Jährige.

Zu einer Einheit über anderthalb Stunden gehören bei ihr Bewegungsübungen, aber auch Atem–, Entspannungs- und Meditationselemente. „Viele der Teilnehmer sagen mir, dass sie diese Momente der Stille genießen.“ Es sei schön, sich mal nicht unterhalten zu müssen. „So empfinde ich selbst meinen Arbeitsalltag nicht als Stress“, sagt die zerifizierte Yogalehrerin. Ein weiterer großer Vorteil des Lebens als Einzelunternehmerin: „Ich kann meine Zeit frei einteilen.“ Einzig die kaufmännische Seite ihres Berufs liege ihr nicht hundertprozentig, „doch Büroarbeit gehört genauso dazu“.

In Meditation übe sie sich dagegen seit ihrer Jugend. Klassisches Yoga kam nach der Geburt ihres ersten Kindes hinzu. „Mittlerweile sind 20 Jahre vergangen und ich bin jeden Tag aufs Neue von diesem Weg überzeugt und begeistert“, sagt die Wernigeröderin, die ihre Heimatstadt liebt und ihr treu bleiben möchte. Um neue Pläne ist die Preisträgerin nicht verlegen: „Ich will noch näher zu meinen Kunden“, sagt Teich. Deshalb plane sie, zu expandieren – und Yoga in den ländlichen Gebieten rund um Wernigerode anzubieten. Erste Kurse im Osterwiecker Ortsteil Schauen seien „rasend schnell“ ausgebucht gewesen. „Das beweist: Das Interesse an ganzheitlicher Medizin ist da.“