Magdeburg l Als Mitarbeiter des Fußballverbands Sachsen-Anhalt (FSA) am 28. November den Volksstimme-Bericht über den Untreue-Prozess am Landgericht Magdeburg lasen, stolperten sie sofort über Vornamen und Anfangsbuchstaben des Nachnamens der 54 Jahre alten Angeklagten. Und auch das gepixelte Foto der Frau kam ihnen bekannt vor. Der Verdacht lag nahe, dass es sich bei Cornelia S. um dieselbe Frau handelt, die seit 2014 als Buchhalterin für die Finanzen des FSA zuständig ist.

Sofort eingeleitete interne Kontrollen erhärteten den Verdacht. Wie ein FSA-Mitarbeiter gestern der Volksstimme bestätigte, betragen die bisher entdeckten Unregelmäßigkeiten zwischen 2015 und einschließlich November 2020 rund 400.000 Euro. Die Rede ist von der „Spitze des Eisbergs“.

Im aktuellen Prozess hat Cornelia S. eingeräumt, zwischen 2010 und 2015 bei der Getec rund 1,1 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die eigentliche Summe, die aufgrund von Verjährung allerdings nicht verfolgt werden kann, soll sogar bei 2,4 Millionen Euro liegen. Neben den 471 Untreuefällen hat die Staatsanwaltschaft S. wegen fünf Fällen von Steuerhinterziehung in Höhe von rund 147.000 Euro angeklagt.

Auf Grundlage der Überprüfung hat der FSA umgehend Selbstanzeige beim Finanzamt gestellt. Denn wegen der kriminellen Unregelmäßigkeiten ist es auch in diesem Fall zu Steuerverkürzungen gekommen.

Wie der Verband mitteilte, sei es für den FSA „trotz der satzungsmäßigen Mechanismen zum Controlling durch Kassenprüfer und Steuerbüro, der Neuaufstellung der Finanz- und Wirtschaftsordnung und interner Überprüfung vom Fizepräsidenten Finanzen unerklärlich, wie diese kriminellen Taten ausgeführt wurden“.

Vieles deutet darauf hin, dass S. erneut ihre eigenverantwortliche Stelle ausgenutzt hat, um mit derselben Verschleierungstaktik über verschiedenen Konten, Gelder zu veruntreuen.

Nach Volksstimme-Informationen lagen nach jetzigem Kenntnisstand bei der Einstellung keine Dienstzeugnisse des vorherigen Arbeitgebers (Getec) vor. Der FSA überprüfe zurzeit, wie es überhaupt zu dieser Einstellung kommen konnte, wo die Finanzmanipulationen doch bereits damals bei Getec bekannt waren.

In einem Einstellungsgespräch habe S. ihren Wechsel zum FSA damit begründet, dass ihr Ehemann schwerbehindert sei und sie „kürzer treten“ wolle.

Vom Prozess gegen S. habe der Verband bis zum Volksstimme-Bericht keine Kenntnis gehabt. „Frau S. hat sich krank gemeldet. Wir haben uns mehrfach bei ihr gemeldet. Doch entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten hat sie sich nicht zurückgemeldet“, so ein Mitarbeiter. Inzwischen habe man festgestellt, dass sie bereits Teile ihrer persönlichen Sachen aus ihrem Büro ausgeräumt hat.