Magdeburg l Nach einem gut eineinhalb Jahren andauernden Prozess am Magdeburger Landgericht ist am Freitag der 55-jährige Henry K. aus Wernigerode zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Ihm war gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen worden. Seine 50 Jahre alte Lebengefährtin ist wegen Geldwäsche zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Gericht sah es als erweisen an, dass sie etwa eine halbe Million Euro, die aus den Betrugshandlungen stammten, von den Konten abholte. Das Geld blieb bis heute verschollen.

Mehr als 200 Zeugen

Mehr als 200 Zeugen sind in dem Verfahren vernommen worden. Die meisten von ihnen - vom Handwerker bis zum Arzt - vielen auf die angebotene Geldanlage herein. Bei seinen Geschäften nahm Henry K. 1,9 Millionen Euro ein. 1,4 Millionen Euro leitete er unter anderem auf seine Konten in der Schweiz und in Wernigerode weiter. Dieses Geld soll er für seine eigenen Zwecke genutzt haben.
Die Anlage „Direktinvest Plus" des vorbestraften Betrügers sollte innerhalb eines Jahres 24 Prozent Zinsen abwerfen. Die damalige „Cashback GmbH" des Angeklagten aus Wernigerode hatte eine „hundertprozentige Absicherung" durch die Bank versprochen. Doch diese gab es nie. Er hatte laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) noch nicht einmal die nötige Erlaubnis derartige Bankgeschäfte in Form der Einlagegeschäfte zu tätigen.

Das angeblich seriöse Geschäftsmodell mit einer Mindesteinlage von 5000 Euro sollte darin bestehen, kreditbedürftigen mittelständischen Unternehmen für eine Laufzeit von vier Wochen Kapital per Lastschrift zur Verfügung zu stellen. Ein angeblicher Geschäftspartner aus Istanbul, der aber nie ausfindig gemacht werden konnte, sollte das Geschäft an sich abwickeln. Die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt, dass es diesen nie gab. Das Prinzip soll stattdessen so funktioniert haben, dass der Harzer nach dem Schneeballprinzip mit frischem Geld die Zinsen der Anleger bezahlt hat. Das Modell funktionierte bis Mai 2014 auch, da immer mehr Anleger sich für das Modell fanden. Schließlich lockten hohe Zinsen, so dass professionelle Vermittler bei der Vermarktung einstiegen. Diese sind in der Vergangenheit bereits mit Strafbefehlen wegen ihrer Beteiligung an den Betrugsfällen verurteilt worden. Der Angeklagte hingegen behauptet, dass er nie selbst, sondern immer die Vermittler die Verträge abgeschlossen hätten.

Schneeballsystem fällt zusammen

Das Schneeballsystem von Henry K. fiel in sich zusammen, als er am 31. Mai 2014 durch Zielfahnder des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt vor einem Spielkasino im österreichischen Bregenz wegen eines ganz anderen Betrugsfalls festgenommen wurde. Er hatte damals mindestens 32 Rentner im Harz um ihr Geld gebracht und sich so rund 80000 ergaunert. Das Gericht verurteilte ihn damals zu dreieinhalb Jahren Haft. Die Zeit hat Henry K. bereits abgesessen, so dass er sich seitdem in Untersuchungshaft befindet.

Bereits in der vergangenen Woche stellte sich Henry K. bei seinem „letzten Wort", das mehr als eineinhalb Stunden dauerte, als ein Opfer der Ermittler dar. Er sagte: „Wenn ich hätte betrügen wollen, dann nicht so dilettantisch." Schon damals kündigte er an, im Fall einer Verurteilung, in Revision gehen zu wollen. Seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwaltschaft forderte siebeneinhalb Jahre Haft.