Veranstaltungen sind reihenweise abgesagt, die Kultur ist zum Stillstand gekommen. Und plötzlich bietet das längst vergessene Autokino den Hoffnungsschimmer. Deutschlandweit schießen sie wie Pilze aus dem Boden, mit dabei das Autokino Stendal. Auf dem Flughafen erlebt es seine  Renaissance. Immerhin flimmerten auf dem Gelände des ehemaligen russischen Militärflugplatzes bis etwa 2005 Filme auf einer Leinwand. Nun wird das Vergnügen wieder belebt.

Riesige LED-Wand garantiert beste Unterhaltun

Ab 15. Mai werden auf einer 60 Quadratmeter großen LED-Wand mit Drei-Millimeter-Pixelabstand  die Eiskönigin, der König der Löwen und andere beliebte Kinderfilme gezeigt. Bei Blockbustern aus 2019 kann mitgefiebert und gekuschelt werden. 160 Autos haben Platz auf dem Flugplatzareal, das Programm für die Kinowochen um Pfingsten steht. An den Wochenenden gibt es drei Vorstellungen, unter der Woche zwei, zumindest in den Pfingstferien. Weiter geht es dann so lange, wie Corona die Wiedereröffnung des Uppstall-Kinos in Stendal nicht zulässt.

„Wir wollen keine Konkurrenz zum Kinohaus", sagt der Veranstalter Christian Legler. Er führt die Eventagentur Studio D4 und hat in der Corona-Krise mit dem Format Autokino eine Nische gefunden. So wie in Stendal in der Altmark, veranstaltet der 40-Jährige mit Partnern in Aschersleben, in seiner Heimatstadt Wernigerode, im niedersächsischen Goslar und thüringischen Apolda jeweils ein Autokino.  „Es ist kein Modell zum Geld verdienen", sagt Legler, „denn der Filmverleiher möchte trotz Krise in der Branche gute 50 Prozent von jedem verkauften Ticket." Das Modell eignet sich dennoch, „um den Menschen ein Stück Normalität zurückzugeben. Uns macht es Spaß, viel mehr, anstatt die Hände in den Schoß zu legen."

Das Projekt von Studio D4 ist so konzipiert, dass es, wenn die Kommune es möchte und das Umfeld es hergibt, als eine Kultur-Arena im Stil eines Autokinos in der Corona-Krise genutzt werden kann. „In Stendal passt alles", sagt Christian Legler. Der Flugplatz, der weit außerhalb der Stadt liegt, ist abgeschlossen, das Veranstaltungsareal groß genug, um  alle Abstands- und Hygiene-Vorschriften einzuhalten.

Es begann, als der Harzer am Rande einer Beratung im Rathaus der Hansestadt - bei der es um die Vorbereitung des Sachsen-Anhalt-Tages 2022 in Stendal ging - seine Projekt-Idee kurz erwähnte. Der Veranstaltungsmanager der Stadtverwaltung, Matthias Neumann, „fing sofort Feuer". Nach ein paar Telefonaten wie mit der Flugplatz-Betreibergesellschaft stand das Gerüst für ein Autokino in Stendal. Es wurde festgezurrt und ausgebaut.

So hatten die Trucks nicht nur LED-Leinwand und Übertragungstechnik an Bord, sondern auch eine Bühne. Sie soll in den kommenden Wochen bespielt werden. Legler und Neumann, die nur zu gut wissen, wie extrem die Musikerszene unter den Einschränkungen in der Corona-Krise leidet, sind überzeugt, das Angebot kommt an. Ähnlich wie unter Studio-Bedingungen erfolgt der Auftritt auf der Bühne, live zu sehen ist er auf der Leinwand, live zu hören der Sound wie beim Kinofilm auf einer UKW-Frequenz im Autoradio.

Gastronomen der Region können vom Kino profit

Matthias Neumann, der wie Legler überzeugt ist: Im Autokino auf dem Flugplatz in Stendal ist alles möglich. Rock, Pop, Jazz, „und warum nicht auch ein Gottesdienst?"

Profitieren vom Veranstaltungsformat Autokino sollen auch lokale Unternehmen. „Das ist mir wichtig", sagt Legler, „denn Events binden eine Vielzahl von Gastronomen und andere Firmen in der Region ein. Viele von ihnen leiden nun unter dem massenhaften Ausfall von Veranstaltungen und Festen."

Bei der Filmvorführung selbst ist aus Stendal das Uppstall-Kino mit dem Chef Günther Tyllack dabei. „Wir sorgen für die Filmauswahl, liefern Popcorn und Nachos, eigens im Uppstall-Kino zubereitet." Ausgemacht ist zudem, dass  Stendals Bierbrauerei und Gastronomen den Catering-Partner von Studio D4 unterstützen. Und nicht zuletzt werden auch Kfz-Werkstätten gebraucht, die helfen, wenn die Autobatterie plötzlich schlapp macht.