Dessau-Roßlau l Wenn Moderator Rudi Cerne in der ZDF-Fahndungssendung Aktenzeichen „XY... ungelöst“ heute Abend ab 20.15 Uhr ein Millionen-Publikum um Mithilfe bei der Klärung von Verbrechen bittet, wird auch ein Fall aus Sachsen-Anhalt mit dabei sein. Es ist der Mord an dem 29-jährigen Familienvater René A. Seine Leiche fanden Spaziergänger an einem Parkplatz des Wald­bades „Stillinge“ vor zwei Jahren zu Weihnachten. Staatsanwalt Olaf Braun aus Dessau sieht in der Tat einen „Hinrichtungscharakter“. Die Dessauer Ermittler erhoffen sich nun neue Hinweise.

Bekannt ist: Am frühen Morgen des 22. Dezember, gegen 4.30 Uhr, verlässt der 29-Jährige seine Wohnung im Oranienburger Stadtteil Goltewitz. Er hat eine größere Bargeldsumme dabei, nimmt aber das Handy nicht mit. An diesem Abend gegen 18 Uhr sehen Anwohner im nahen vorderen Tiergarten ein brennendes Auto. Es ist der Ford Focus mit den auffälligen grünen Alufelgen von René A. Seine 25-jährige Lebenspartnerin, die zu diesem Zeitpunkt von ihm ein zweites Mal schwanger ist, hat weder eine Erklärung dafür, noch weiß sie, wo der 29-jährige an diesem Tag hin wollte. Später ergeben Ermittlungen, dass sich der Dessauer im Drogenmilieu bewegt haben soll.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird dann der Vermisstenfall zur Mordsache. Die Leiche des jungen Mannes wird auf dem Parkplatz des Freibades „Stillinge“ in Dessau gefunden. Ob dies auch der eigentliche Tatort ist, wollen die Ermittler nicht sagen. Allerdings findet die Spurensicherung neben einer angebrannten Matratze auch eine elektrische Wasserpfeife. Die könnte der Täter verloren haben.

Weil das Opfer sein Handy nicht mitgenommen hat, ist der Weg an jenem 22. Dezember 2015 für die Polizei nur schwer nachvollziehbar. „Deshalb hoffen wir auch weiter darauf, dass Zeugen den jungen Mann oder das Auto an jenem Tag noch irgendwo gesehen haben“, sagt Staatsanwalt Braun. Die Polizeidirektion Ost in Dessau (Telefon 0 34 06 00 02 91) hat inzwischen für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt.

Der Stillinge-Mord aus Dessau ist nur einer von 40 ungeklärten Tötungsverbrechen, die dem Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt seit 1990 bekannt sind. Getötet wurden dabei 41 Menschen. 14 weibliche und 25 männliche Personen, darunter auch ein Kind und zwei Neugeborene. Bei zwei Leichen konnte das Geschlecht nicht mehr sicher identifiziert werden. Das prominenteste Opfer ist der Manager der „Kastelruther Spatzen“. Er wurde 1998 in Magdeburg getötet.