Prussendorf (dpa) l Nur ein Interessent hat bisher ein Angebot für den Kauf von Sachsen-Anhalts Landgestüt in Prussendorf abgegeben. Er komme aus der Pferdebranche und stamme "nicht von weit her", sagte Geschäftsführer Willy Boß der Deutschen Presse-Agentur. Genauere Angaben wollte Boß aus Gründen der Vertraulichkeit nicht machen. Auch wie viel Geld der Interessent geboten hat, wollte er nicht sagen. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei den Bietern um die Betreiber des nahegelegenen Gestüts Radegast.

"Wir sind enttäuscht, dass wir nicht mehr Angebote bekommen haben", räumte Boß ein. Bis Anfang des Jahres habe man mehr als 20 Exposés an Interessenten verschickt. Das Land will sich vor allem wegen der hohen Kosten von dem Gestüt und der Pferdezucht trennen. Es stehen das Gehöft mit unmittelbar angrenzenden Flächen von etwa 40 Hektar zum Verkauf. Weitere 800 Hektar Ackerfläche sollen im Besitz des Landes bleiben.

Boß zeigte sich zuversichtlich, dass der Verkauf gelingt. Das vorliegende Angebot sei eine gute Grundlage für weitere Verhandlungen. "Wir wollen keine Privatisierung mit Gewalt." Vielmehr wolle man das Gestüt in gute Hände übergeben. Ziel sei nicht ein maximaler Verkaufspreis, sondern der Erhalt von Pferdesport und -zucht am Standort Prussendorf sowie eine Perspektive für die Mitarbeiter. Das könne mit dem vorliegenden Angebot erreicht werden.

Pferdezucht ist keine Landesaufgabe mehr

Ende vergangenen Jahres waren noch zwölf Mitarbeiter auf dem Gestüt beschäftigt; etwa 30 Pferde sind in der Reitschule untergebracht. Für den Betrieb des Gestüts sind Boß zufolge einige Hunderttausend Euro pro Jahr an Zuschuss vom Land nötig. Weil durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes die Pferdezucht nicht mehr zu den hoheitlichen Aufgaben des Landes zählt, ist ein Verkauf möglich.

Derzeit beschäftigten sich das Umwelt- und das Finanzministerium mit der Prüfung des vorliegenden Angebots, berichtete der Geschäftsführer. Er sei zuversichtlich, Ende Februar mit dem Interessenten weiterzuverhandeln.

Das Landgestüt Sachsen-Anhalt wurde 1993 in Radegast bei Zörbig eingerichtet, 1997 wechselte der Sitz in den nahegelegenen Betriebsteil Prussendorf. Neben der Haltung von Hengsten und Samenspenden kümmert sich das Gestüt um die Berufsausbildung von Pferdewirten.