Wo es klemmt und künftig erweitert werden soll

Super-Staustrecken: Auf diesen Autobahnen werden (ohne Baustellen) mehr als 300 Stunden Stau im Jahr erwartet. Beispiele:

A 2 Königslutter – Hannover (Prognose 2025: 120 000 Fahrzeuge in 24 Stunden)

A 7 bei Hamburg (150 000)

A 9 München Nord (170 000)

A 10 Schönefelder Kreuz (100 000)

A 14 Magdeburg–Schönebeck (75 000)

A 17 Dresden West (80 000)

A 100 Berlin Funkturm bis Schöneberg (225 000)

Einige mittlere Staustrecken (100 bis 300 Stunden Stau im Jahr)

A 2 Magdeburg–Marienborn (105 000 Fahrzeuge in 24 h)

A 14 Halle-Könnern (65 000)

A 14 Staßfurt-Schönebeck (60 000)

A 39 Braunschweig (ca 75 000)

Auf 8 Spuren erweitert werden u.a..:

A 8 Stuttgart (9 km / 61 Mio €)

A 99 München (37 km / 787 Mio. €)

A 10 Potsdam – Nuthetal (9 km / 142 Mio)

A 7 Hamburg (14 km / 1000 Mio €)

Aktuelle Verkehrsbelastungen in Sachsen-Anhalt (Fahrzeuge je 24 Stunden)

A 2 Hohenwarte–Magdeburg: 67 000 (davon 14 000 Lkw)

Bornstedt - Irxleben: 74 000 (19 000 Lkw)

A 9 Schkeuditzer Kreuz: 75 000 (15 000 Lkw)

A 14 Magdeburg: 42 000 (9700 Lkw)

A 38 Eisleben:

27 000 (6200 Lkw)

B 6 (4-spurig) Blankenburg–Wernigerode: 23 000 (2500 Lkw)

Ausbau-Richtwert für Autobahnen (Belastung je 24 Stunden)

ab 20 000 Fahrzeuge: 4-spurig

ab 70 000 Fahrzeuge; 6-spurig

ab 100 000 Fahrzeuge; 8-spurig

Magdeburg l Vor vier Jahren ließ das Bundesverkehrsministerium für das deutsche Autobahnnetz eine Engpass-Analyse anfertigen. Herausgefunden wurden all jene Abschnitte, wo Autofahrer im Jahresmittel mehr als 300 Stunden lang im Stau schwitzen. Herangezogen wurde auch die Verkehrsprognose für 2025.

In Sachsen-Anhalt kam ein einziger Abschnitt in die Liga der Super-Staustrecken: Die A 14 vom Autbahnkreuz Magdeburg bis nach Schönebeck. Derzeit rollen dort täglich etwa 40 000 Fahrzeuge über die Piste. Ihre Zahl wächst in zehn Jahren auf 75 000. Das Land setzte die Strecke daher auf die Liste der vordringlichen Projekte im neuen Bundesverkehrs-wegeplan: Das 22 Kilometer lange Stück soll bis 2030 auf sechs Spuren verbreitert werden. Doch im ersten Entwurf warf der Bund das Vorhaben nun ganz aus dem Plan. Nicht mal im weiteren Bedarf taucht es auf. Begründung: Für 2025 werden plötzlich nur noch 41 000 Fahrzeuge prognostiziert – also etwa genau so viele wie heute. „Das ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Sachsen-Anhalts oberster Straßenplaner Jörg Przesang im Verkehrs-ministerium. Daher hat das Haus von Minister Thomas Webel (CDU) beim Bundesverkehrs-ressort interveniert – dessen Fachleute mögen die Plausibiltät ihrer Planungen prüfen.

Ausbau der A 2 nur im Westen

Verärgert ist auch Webels niedersächsischer Kollege Olaf Lies (SPD). Das Nachbarland hat den Ausbau der A 2 zwischen Königslutter und Hannover auf acht Spuren als vordringlich angemeldet. Laut Engpass-Analyse werden dort künftig mehr als 120 000 Fahrzeuge pro Tag erwartet. Darunter sind 30 000 Schwerlaster. Doch auch von diesem Vorhaben ist im Planentwurf nicht viel übrig geblieben. Der Bund schob die Verbreiterung der 78 Kilometer langen Strecke in den weiteren Bedarf nach 2030 – und somit auf die lange Bank. „Damit geben wir uns nicht zufrieden“, hatte Lies der „Braunschweiger Zeitung“ gesagt.

Acht Spuren für Niedersachsens A 2 – und für Sachsen-Anhalt nicht? „Die Zahlen geben das nicht her“, erklärt Planer Przesang. Für den Abschnitt von Magdeburg bis Helmstedt wird zwar ein Anstieg auf 105 000 Fahrzeuge vorausberechnet; allerdings liegt die zu erwartende Staubelastung unter 300 Stunden pro Jahr. Den Abschnitten von Magdeburg in Richtung Berlin bescheinigt die Analyse eine noch niedrigere Belastung. Behinderungen gebe es meist nur bei Baustellen und Unfällen. „Auch wenn der subjektive Eindruck ein anderer ist, aber der Verkehr rollt recht gut“, meinen die Planer im Ministerium.

Mit vielen Baustellen müssen die Autofahrer künftig jedoch rechnen. Zunächst werden bessere Mittelschutzplanken installiert; und in fünf bis zehn Jahren ist die Fahrbahn der A 2 an der Reihe, da eine Betonpiste meist nach 25 Jahren an ihre Verschleißgrenze kommt. In Niedersachsen wird die A 2 jetzt schon saniert, da dort über große Strecken Drain-Asphalt liegt: Eine schallschluckende Spezialmischung, auf der obendrein weniger Nässe steht – die jedoch nicht so lange hält wie Beton.

Berliner Ring wird verbreitert

Erfolgreicher waren die Brandenburger: Dort wurde die A 10 zwischen Potsdam und Nuthetal (Abzweig zur Avus Berlin) als Super-Staustrecke klassifiziert. Ihr Ausbau auf acht Spuren ist im neuen Verkehrswegeplan schon „fest disponiert“. Gebongt sind Achtspurer etwa auch in Bayern (A 99/Ring um München), Hessen (A 3/Frankfurt-Flughafen) oder Hamburg (A 1).

Blaue Schilder für den Nordharz

Aufgewertet soll auch eine Schnellstraße im Harz: Wobei es da nicht um mehr Spuren, sondern um einen neuen Namen und neue Schilder geht. Webels Ministerium hat beantragt, die vierspurige Bundesstraße 6 von Goslar bis Bernburg zur Autobahn hochzustufen. Der Tourismus verspricht sich davon bessere Marktchancen. Webels Planer gehen davon aus, dass Berlin in den nächsten Monaten darüber entscheiden wird. Im neuen Bundesverkehrswegeplan wird die „Nordharzautobahn“ allerdings nicht auftauchen, erklärt Przesang. Schließlich gibt es da nichts zu bauen – außer ein paar blauen Schildern und einer Raststätte.