Magdeburg l Wasserhahn aufgedreht – und es kommt nichts raus? Werden die Wasservorräte irgendwann knapp, wenn es weiter so trocken bleibt und wenig regnet? Alexander Ruhland, Geschäftsführer der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM), und Christiane Wiesner, Technische Leiterin der TWM, beantworten die Fragen:

Die TWM versorgt 750.000 Menschen mit Trinkwasser. Kann es passieren, dass Trinkwasser knapp wird?
Alexander Ruhland:
Nein, unter den derzeitigen Bedingungen nicht. Zwei oder drei trockene Jahre sind wenig dramatisch. Wir gewinnen einen Großteil unseres Wassers in der Colbitz-Letzlinger Heide. Das reicht zwar nicht, um die großen Mengen zur Verfügung zu stellen. Das Defizit wird über Wasser aus der Ohre gedeckt, so lange die Ohre ausreichend Wasser führt. Damit füllen wir den unterirdischen Speicher im Winterhalbjahr auf und können im Sommer daraus zehren. Das System funktioniert also, indem man es mehrjährig bewirtschaftet.

Christiane Wiesner: Wir beobachten natürlich Pegel, um die Entwicklung unserer Ressource beurteilen zu können. Wenn die mal einige Jahre sinken, fallen die Brunnen nicht automatisch trocken und das Grundwasser ist alle. Es gibt in der Zukunft aber unter Umständen veränderte Bedingungen.

Bilder

Was meinen Sie?
Wiesner: Es könnte der Tag kommen, an dem wir zum Beispiel mehr Energie einsetzen müssen, um Wasser aus der Erde zu pumpen. Außerdem würden sich die Einzugsgebiete der Brunnen erweitern, so dass sie Gebiete erreichen, die nicht für die Trinkwasserförderung geschützt sind. Das könnte bedeuten, dass wir mit anderen Inhaltsstoffen rechnen müssen, für die unsere Aufbereitungsanlagen heute noch nicht ausgerichtet sind. Ein Experte des Umweltbundesamtes warnte vor künftigen Verteilungsstreits zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft. Wie realistisch ist das?

Ruhland: Die Ressource Wasser wird mit der Verringerung der Grundwasserneubildung knapper. Interessenskonflikte unter den Nutzern sind denkbar. Dann stellt sich die Frage: Wer hat in welcher Reihenfolge Zugriff auf die Ressource? Fragen, mit denen sich Bundes- und Landespolitik rechtzeitig auseinandersetzen sollten.

Und: In Zeiten des Klimawandels müssen wir verstärkt darauf achten, dass die im Landesentwicklungsplan ausgewiesenen Vorranggebiete für die Trinkwassergewinnung ausreichend geschützt werden.

Würden Sie sich wünschen, dass die Menschen bewusster mit der Ressource umgehen?
Ruhland: Der Druck auf die Grundwasserressourcen wird zunehmen, daher würden wir uns wünschen, dass sich jeder über seinen persönlichen Anteil zum Ressourcenschutz im Klaren ist. Das fängt mit dem bewussten Umgang mit dem Trinkwasser an und hört mit dem gedankenlos entsorgten Hausmüll auf.

Die TWM ist nach der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz der größte Wasserlieferant in Sachsen-Anhalt. Weitere Infos gibt es hier.