Halle (dpa) l Amtsinhaber Bernd Wiegand (parteilos) hat seinen Posten als Verwaltungschef in der Stichwahl verteidigt. Laut vorläufigem Endergebnis konnte er rund gut 61 Prozent der Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen, wie am Sonntag im Stadthaus bekanntgegeben wurde. Sein rot-rot-grüner Herausforderer Hendrik Lange kam demnach auf knapp 39 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 36 Prozent und damit deutlich über der Beteiligung der vergangenen Stichwahl 2012 (29 Prozent).

Für den 62 Jahre alten Wiegand ist es bereits die zweite Stichwahl, die er für sich entscheidet: Vor sieben Jahren gelang dem damaligen Innendezernenten der Einzug in die zweite Runde. Dort siegte er gegen den CDU-Kandidaten Bernhard Bönisch und wurde Halles erstes parteiloses Stadtoberhaupt.

"Ich denke man muss sowas mit Fassung hinnehmen", sagte Lange, nachdem er seine Niederlage eingeräumt hatte. Natürlich habe er gehofft, dass das Ergebnis knapper ausfalle. Man werde Wiegand jetzt daran messen, wie er auf die demokratischen Kräfte zugehe.

Während sich Lange im Stadthaus den Fragen von Reportern stelle, feierte Wiegand seinen Wahlsieg außerhalb. Einen Kommentar zur Wahl gab er zunächst nicht ab.

Seine neue Amtszeit beginnt offiziell am 1. Dezember. Deswegen sei der Stichwahltermin an diesem Sonntag auch der letztmögliche gewesen, sagte Wahlleiter Egbert Geier. Denn der Gewinner der Wahl müsse aufgrund gesetzlicher Regelungen mindestens einen Monat vor Amtsantritt feststehen.

Die Oberbürgermeisterwahl in der größten Stadt des Landes stand im Schatten des Terroranschlags in Halle am 9. Oktober. Die Kandidaten hatten nach dem Anschlag ihre Aktivitäten abgesagt. Nur vier Tage nach der Bluttat stand dann die erste Runde an: Dabei war Wiegand auf rund 44 Prozent der Stimmen bekommen. Sein Herausforderer Lange landete mit rund 25 Prozent auf dem zweiten Platz, dicht gefolgt vom Andreas Silbersack (FDP), dem gemeinsamen Kandidaten von CDU und Liberalen.

Am 9. Oktober hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der rund 50 Gläubige den jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan scheiterte, erschoss der Täter eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Der 27 Jahre alte Verdächtige, ein Deutscher, sitzt in Untersuchungshaft. Er hat antisemitische und rechtsextremistische Motive eingeräumt.