Magdeburg (dpa) l Alle Jahre wieder werden in Sachsen-Anhalt Weihnachtsmänner gesucht. Mehrere Arbeitsagenturen im Land vermitteln gerade "Rauschebärte" an interessierte Familien, Einrichtungen oder Vereine. "Wir sind ganzjährig auf der Suche nach Weihnachtsmännern", berichtete Heiko Rönicke von der Jobvermittlung der Agentur für Arbeit in Halle. Im vergangenen Jahr haben 13 Personen ihr Interesse an einem Job als Weihnachtsmann bekundet. In diesem Jahr rechnet Rönicke mit etwa 15 Bewerbern. "Dennoch wird es immer schwieriger, Weihnachtsmänner zu bekommen. Es sind in den vergangenen Jahren mehr Bewerber rausgefallen als neue dazugekommen", sagte Rönicke.

In Magdeburg waren 2017 durch die Vermittlung der Agentur für Arbeit an Heiligabend 13 Weihnachtsmänner im Einsatz. "Für dieses Jahr stehen bisher zehn Weihnachtsmänner bereit", sagte Sprecher Georg Haberland. Doch nicht nur an Heiligabend sind die Weihnachtsmänner in Magdeburg gefragt, auch in der Vorweihnachtszeit, zum Beispiel bei Weihnachtsfeiern in Kindergärten oder von Vereinen.

Nur ein Kandidat in Stendal

Händeringend suchen auch die Arbeitsagenturen in Halberstadt und Stendal nach Weihnachtsmännern. In der Altmark gibt es bisher nur einen Kandidaten, wie von Agentur-Sprecherin Anika Pieper zu erfahren war. Im Harz hat die Vermittlung der "Rauschebärte" erst vor Kurzem wieder begonnen. "Im Vorjahr hatten wir weniger als zehn", sagte Daniel König, Sprecher der Arbeitsagentur Halberstadt. Vor allem Rentner seien unter den Weihnachtsmännern gewesen. "Manchen wurde der Job im Laufe der Jahre aber zu stressig." Es sei aber auch oft der Fall, dass Weihnachtsmänner private Kontakte zu ihren Auftraggebern knüpften und sie die Arbeitsagentur für die Vermittlung nicht mehr brauchten.

In Dessau dagegen vermittelt die Agentur für Arbeit schon seit Anfang des Jahrzehnts keine Weihnachtsmänner mehr. Interessenten verweist man laut Sprecherin Marion Kopelke an ein Portal, das sich auf die Vermittlung von Weihnachtsmännern spezialisiert hat.

Kein einfacher Job

Warum die Arbeitsagenturen immer weniger Weihnachtsmänner vermitteln, hat unterschiedliche Gründe. "Der 24. Dezember ist kein beliebter Tag zum Arbeiten", sagte Heiko Rönicke aus Halle. Meist sei die eigene Familie dagegen, wenn der Mann an Heiligabend fremde Familien besuche, statt bei der eigenen zu sein. Andere Kandidaten erfüllten schlichtweg die Anforderungen an den Job nicht. Dazu gehört laut Rönicke ein gepflegtes Aussehen, aber auch kinderlieb und redegewandt zu sein. "Ein Weihnachtsmann ist eine Art pädagogische Hilfskraft und muss sich auf die Wünsche und Vorstellungen der Familien einstellen", erklärte der Jobvermittler. Mitunter scheitere das Dasein als Weihnachtsmann auch an der Tatsache, dass der Bewerber kein Auto besitze und an Heiligabend nicht zum Einsatzort komme.

Dabei ist die Nachfrage nach Weihnachtsmännern recht hoch. Allein in Halle und im Saalekreis hat Rönicke jährlich bis zu 150 Anfragen von Familien. In Magdeburg waren die "Rauschebärte" 2017 an Heiligabend bei 132 Familien zu Besuch. Dazu kamen 35 Einsätze in der Vorweihnachtszeit.

Weihnachtsmänner verdienen gut

Die Arbeitsagenturen vermitteln lediglich die Weihnachtsmänner an die Auftraggeber. Alle weiteren Fragen, wie die nach der Bezahlung oder der Dauer des Besuchs, klären beide Parteien untereinander.

Das Weihnachtsmann-Geschäft ist durchaus lukrativ. Rund 60 Euro im Schnitt verdient ein "Rauschebart" pro Familienbesuch an Heiligabend. Bei bis zu elf Terminen am Weihnachtstag kommt da schon einiges an Geld zusammen. Neben Rentnern interessieren sich vor allem Studenten für einen solchen Job. "Viele machen die Arbeit aber nicht des Geldes wegen", sagte Rönicke, der seit 15 Jahren Weihnachtsmänner vermittelt. Viele wollten anderen Menschen einfach nur eine Freude machen oder den Weihnachtstag nicht allein zu Hause verbringen.