Magdeburg l Driving home for christmas - dieser Song von Chris Rea war in den vergangenen Tagen allgegenwärtig. Hörer wünschten sich das Lied trotzdem auch immer wieder im Radio, um damit andere Menschen zu grüßen. Was steckt darin? Ein Mann fährt an den Weihnachtstagen nach Hause. Überlegt sich, wie es ist, wieder dort zu sein, wo er seine Kindheitserinnerungen gesammelt hat. Vielleicht hat er im Kofferraum viele Geschenke. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist das wichtigste Geschenk er selbst. Und die Zeit, die er mitbringt. Ohne Stress, ohne die Sorgen des Alltags fährt er gut gelaunt diesen Tagen entgegen.

Geschenke, die Erlebnisse garantieren und bedeuten, dass Menschen Zeit miteinander verbringen möchten, stehen hoch im Kurs. Nicht die vierte Krawatte, das dritte Parfüm, das Buch, das man vielleicht nie lesen wird, nicht die Klassiker des Weihnachtsgeschäftes sind es, die unsere Wunschlisten anführen. Es ist die Zeit, das gemeinsame Erleben, das im Trend liegt. Die Tage zwischen den Jahren kommen uns oft zeitlos vor.

Jeden Menschen bewegt etwas

Wir essen gemeinsam, wir singen, wir treffen uns in Kirchen. Wir schauen nach dem Heiligen Abend und den Weihnachtsfeiertagen auf das Jahresende. Jeden Menschen bewegt etwas in diesen Tagen. Die unzähligen fleißigen Krankenschwestern, Polizisten, Taxifahrer, Gastronomen, alle, die an den Weihnachtstagen arbeiten müssen – sie widmen sich anderen Menschen. Sie geben ein Stück ihrer Weihnachtszeit ab. Und wenn sie selbst Zeit haben und kurz durchatmen, denken sie vielleicht nicht nur an die Schicht, sondern auch an jene, denen sie geholfen haben.

Wenn die Ruhe und Besinnung zu uns kommen, lohnt es sich, sie ganz in sich aufzunehmen, den Blick auf die Familienrunde zu werfen. Wenn alle lachen oder weinen. Denn: Besinnung kann auch Trauer bringen. Über das Jahr, das uns in der Öffentlichkeit oder im Privaten Krankheits- oder Todesfälle gebracht hat. Der Tod hält sich an keine Zeiten.

An kleinen Dingen freuen

Aber wenn Menschen zusammen sind, essen, spielen, Kinder den Weihnachtsmann begrüßen, dann sind wir gewissermaßen zeitlos. Genauso, wie wenn wir uns in einem schönen Lied verlieren, uns an kleinen Dingen freuen. Die Blume am Wegesrand sehen. Wenn wir in den Nachthimmel schauen und uns plötzlich sehr klein vorkommen.

Wer über die Zeit nachdenkt, stößt unweigerlich auf unzählige Wortverbindungen und Wortspiele. Zeitlos glücklich. Zeit verschwenden. Zeit schenken. Läuft uns die Zeit davon? Zu Weihnachten ganz bestimmt nicht. Wenn wir in uns aufnehmen können, was wir haben, worüber wir uns freuen können, dann ist die Zeit egal. Ein paar Minuten das Lächeln gesehen, wenn der Zusteller das Überraschungspäckchen vom Briefkasten nimmt? Wenn die Familie sich spielerisch um den letzten Rest vom Kartoffelsalat zankt? Manchmal ist ein glücklicher Moment flüchtig. Aber er war da.

Stress abschütteln

Es ist jetzt die Zeit, den Stress abzuschütteln und an jene zu denken, denen es nicht so gut geht. Die trauern, die flüchten mussten. Die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Es ist die Zeit, Hoffnung zu verschenken. Und warum nicht auch gemeinsame Erlebnisse? Im Trend liegen 2016, laut Internetumfragen, symbolische Sanduhren mit dem Versprechen, gemeinsame Zeit zu verschenken.

Heute ist der Heilige Abend. Lassen Sie uns die Sinne öffnen. Ohne Zeitdruck. Die Uhr am Handgelenk stört dabei nicht. Sie ist ein kleines Signal, uns auf die „richtige Zeit“ einzustellen. Driving home. Nach Hause kommen. Wo auch immer das ist. Wir wünschen allen ein zeitlos schönes Weihnachtsfest!