Magdeburg/Wernigerode l Friedhart Knolle, Sprecher des Nationalparks Harz, weiß um die Beliebtheit der Region: „Wir sind in Sachsen-Anhalt die Berge.“ Die Pandemie allerdings macht auch Sorgen in Norddeutschlands höchsten Bergen. „Die erste Corona-Welle führte zu einer Delle bei den Besucherzahlen, dann kamen die Leute zum Wandern.“ Die Parkplätze waren voll – wie auch die Mülltonnen. Über den Sommer wären die Touristen wieder in Scharen gekommen. Die Auswirkungen der zweiten Welle seien noch nicht abzuschätzen, sagt Knolle.

Zurück zur puren Natur ist jedenfalls das Motto – egal, ob im Harz, in den Hellbergen oder im Hakel. Es fehlen nur die gastronomischen Attraktionen und organisierte Action.

Was können also Besucher speziell im Harz jetzt erleben und entdecken?

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Wandernadel: Um den Wettbewerbsgedanken bei aktiven Besuchern zu fördern, gibt es einen winzigen, aber wirkungsvollen Anreiz: die Wandernadel. Rund 40 reguläre Stempelstellen, acht Sonderstempelstellen und spezielle Aktionsstempel können das Konto der Bergfans füllen, um schließlich die Nadel zu erlangen. Insgesamt 33 Stempelabdrücke sind für den „Wildnis-Entdecker“, das Wanderabzeichen zum Anstecken nötig. Zur Nadel-Aktion gibt es ein Begleitheft, das in den einschlägigen Besucher zentren angeboten wird. Tabu für Wanderer sind jedoch rund zehn Prozent der Harzfläche. Hier kann und soll sich die Natur ungestört entfalten.

Waldbeobachtung: In den vergangengen drei Jahren mit Hitze, Trockenheit, ausgefallenen Wintern und starker Borkenkäferentwicklung sind riesige Flächen an Fichtenbeständen im Harz sehr rasch abgestorben. Im Nationalpark Harz wurden daher rund 320  000 Laubgehölze gepflanzt. Das sind Buchen, Roterlen, Weiden, Espen und Birken. Im Harz wären von Natur aus zwei Drittel der Fläche mit Buchenwäldern bewachsen, gegenwärtig ist es nur ein knappes Fünftel. Die Nationalpark-Verwaltung will daher wieder mehr Naturnähe in die reinen Fichtenbestände bringen. Dazu werden seit vielen Jahren kleine Laubbäume in diese Bestände gepflanzt. Sie bilden die Samenbäume für künftige Waldgenerationen. So werden abgestorbene Fichten über Buchenpflanzungen meist stehen gelassen. So vermitteln sich den Besuchern neu enstehende Waldbilder.

Stein des Jahres: Andesit wird berühmt: Experten in Deutschland haben es zum „Gestein des Jahres“ für 2020/21 gemacht. Erstmals beschrieben wurde es vom Geologen Leopold von Buch (1774 - 1853), Gründer der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Die braunvioletten bis grauen Andesite bestehen bis zu 20 % aus Quarz und Feldspat. Meist werden sie für Schotter und Splitt verwendet. Bekannte Vorkommen in Deutschland sind das Saar-Nahe- und das Saale-Becken, der Flechtinger Höhenzug, der Südharz oder die Mittelharzer Gesteinsgänge.

Pilz des Jahres: Die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus) wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2020 bestimmt. Auch im Harz riecht man die Stinkmorchel oft schon, bevor man sie entdeckt. Der aasartige Geruch brachte ihm seinen Namen ein. Die „Stinkmorchelartigen“ werden auch „Pilzblumen“ genannt. Die Pilzsaison ist zwar vorbei, doch ab März wird der Stinke-Pilz wieder zu riechen sein.

Im Jungstadium übrigens gilt die noch geruchlose Stinkmorchel („Hexenei“) mit ihrem rettichartigen Geschmack und zubereitet wie Bratkartoffeln als Delikatesse!