Justiz

Weniger Bewerbungen um Jobs im Gefängnis

Rund 1580 Gefangene sitzen in den Haftanstalten in Sachsen-Anhalt. Knäste sind aber auch Arbeitsplätze - und um die bewerben sich immer weniger Menschen. Das Land versucht schon länger gegenzusteuern.

Von dpa 06.10.2021, 06:46 • Aktualisiert: 07.10.2021, 22:53

Magdeburg - Für Sachsen-Anhalt ist es weiterhin schwer, ausreichend neues Personal für die Gefängnisse zu finden. In diesem Jahr seien 17 Anwärterinnen und Anwärter für den Justizvollzugsdienst eingestellt worden nach 33 im vergangenen Jahr, teilte das Justizministerium in Magdeburg auf Nachfrage mit. Seit 2017 waren es pro Jahr rund 30 Anwärterinnen und Anwärter und in der Summe 139. Das Land ist weit entfernt von seinem Ziel mit 45 Neueinstellungen pro Jahr. Der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Mario Pinkert, äußerte mit Blick auf die Zahlen „ernsthafte Sorge“.

Das Land verzeichnet trotz einer Imagekampagne immer weniger Bewerbungen für den Job hinter Gittern. Während sich 2018 noch mehr als 300 Frauen und Männer bewarben, waren es 2019 nur noch knapp 230 und im vergangenen Jahr rund 190. In diesem Jahr sind laut Ministerium 181 Bewerbungen eingegangen.

In den Ruhestand gehen unterdessen in etwa so viele Bedienstete des Justizvollzugs wie Anwärter aufgenommen werden. Im vergangenen Jahr waren es den Angaben zufolge 28, bis Ende August dieses Jahres 15. Nicht eingerechnet seien die Beschäftigten, die wegen Dienstunfähigkeit aus dem Job ausscheiden.

Gewerkschafter Pinkert sagte, in der Vergangenheit sei durch die Schließungen kleiner Anstalten viel abgefedert worden, nun mache sich der Mangel immer deutlicher bemerkbar. In der Praxis müssten teils 12- statt 8-Stunden-Schichten gemacht werden, weil kein Personal da sei, berichtete Pinkert.

In der Summe sind laut dem Ministerium mit Stand 1. September 1060 Bedienstete im Justizvollzug des Landes tätig gewesen, vom Anwärter bis zur Verwaltung. Das Durchschnittsalter der Justizvollzugsbediensteten habe zum Jahresende 2020 bei 46,5 Jahren gelegen, Ende 2016 hatte es noch über 48 Jahre betragen.

Unterdessen läuft die Nachwuchskampagne des Landes weiter. „Die erfolgreiche Kampagne ist auf Dauer angelegt“, erklärte ein Sprecher des Justizministeriums. Sie werde derzeit aktualisiert. Vor Beginn der Werbemaßnahmen hätten die Anwärterzahlen deutlich niedriger gelegen. So seien 2015 nur 13 Anwärter und Anwärterinnen eingestellt worden.

Die 2018 gestartete Kampagne findet Gewerkschafter Mario Pinkert wichtig. Er kritisiert aber, dass sie sich nur auf die Homepage und Jobmessen beschränkt. Soziale Medien wie Facebook und Instagram oder auch Podcasts würden gar nicht bespielt. „Da machen uns andere Länder etwas vor“, sagte Pinkert.

In den Gefängnissen in Sachsen-Anhalt waren laut Justizministerium mit Stand 1. September rund 1580 Gefangene untergebracht, davon etwa 50 im offenen Vollzug.