Magdeburg l Die fünf jungen Männer vom Magdeburger eSport-Verein blicken auf der kobaltblau angestrahlten Bühne des dreitägigen Gaming-Festivals „DreamHack“ in Leipzig konzentriert auf die Monitore. Über die Kopfhörer schallen die Geräusche des Computerspiels „League of Legends“. Ein Strategiespiel, bei dem es darum geht, sich einen der vorgegebenen 143 Charaktere – von Aatrox bis Zyra – auszuwählen und dann als Fünferteam die Basis des Gegners auszuschalten. Der das natürlich mit aller Macht verhindern will und seinerseits die Feind-Basis im Visier hat.

Im Endspiel brauchen die Magdeburger Elektronik-Sportler um Spiel-Bereichsleiter Florian Teuber nur eine knappe halbe Stunde, um das Quintett vom 1. Berliner eSport-Club vor vollbesetzten Zuschauerrängen aus dem Rennen zu werfen. „Ein Supergefühl, als wir den ersten Pokal vom eSport-Bund Deutschland in die Höhe strecken konnten“, freut sich der 30 Jahre alte Teuber, der im richtigen Leben als Informatiker arbeitet und innerhalb des Magdeburger Vereins für das Spiel „League of Legends“ zuständig ist.

230 Vereins-Mitglieder

Der Verein wurde am 25. Mai 2016 gegründet. „Wir waren damals elf Leute“, sagt Liza Smolla, die eine Medienausbildung macht und für die PR-Arbeit zuständig ist. „Heute hat der Verein mehr als 230 Mitglieder aus Magdeburg und Umgebung. Einige kommen sogar von weiter her.“

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Die Spieler-Spanne reicht vom Anfänger bis hin zum Experten und die einzelnen Bereiche sind nach den Spielen, für die trainiert wird, untergliedert: „Counter Strike“ (taktisches Shooterspiel), „StarCraft“ (Strategiespiel) und „Overwatch“ (Strategie und Shooter).

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In unregelmäßigen Abständen treffen sich die „Zocker“ im Magdeburger Vereinsheim in der Maxim-Gorki-Straße, um an sieben Rechnern und mehreren Spielkonsolen zu trainieren.

Die Voraussetzungen, um im deutschen E-Sport eine gute Rolle zu spielen, seien gegeben, sagt Martin Müller, Vereinsvorsitzender vom Magdeburger eSport. Der studierte Bauingenieur kennt sich über die Grenzen Magdeburgs aus, ist er doch zugleich Vizepräsident des eSport-Bundes Deutschlands (ESBD).

Alles habe mit der Idee begonnen, die eSport-Begeisterten rund um Magdeburg zusammenzubringen, so Müller. Die ersten Schritte seien gegangen und er sei sich sicher, dass der Pokalgewinn dem E-Sport in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts weiteren Auftrieb gibt.

Deutschland trabt nach

Ziel des Vereins ist es, die gesellschaftliche Akzeptanz des eSports im Allgemeinen zu erhöhen und die Förderung der Gemeinschaft von eSportlern im Besonderen. So heißt es in der Vereinssatzung. Und gerade, was den ersten Punkt betreffe, habe Deutschland noch einen großen Nachholebedarf, weiß auch Sascha Reißner (25), der Lehramt studiert. „In Skandinavien gibt es über eSport keine Diskussion. Da ist er in der Gesellschaft angekommen. In einigen Ländern wird e-Sport sogar an Schulen gelehrt und in den USA gibt es ein E-Sport-Stipendium-“ Florian Teuber hat eine Theorie, warum sich der E-Sport nur schleppend durchsetzt.

„Das liegt wohl daran, dass die ganze Sache von der Spitze nach unten aufgebaut wird. Zuerst waren die Profi-Zocker da und nur langsam organisieren sich in den Regionen die Amateure.“ Als Gegenbeispiel nennt er die herkömmlichen Sportvereine, die eine feste Basis haben, auf der nach oben aufgebaut werden könne.

Dass es mit Blick auf den elektronischen Sport eine Menge Vorurteile gibt, räumt Teuber ein. Ein wichtiges Anliegen des Vereins sei es, verunsicherten Eltern die Hand zu reichen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollen auch die Gefahren, die es ohne Zweifel gibt, aufgeklärt werden.

Geplant haben die eSportler auch öffentliche Vorführungen, um ihren Sport bekannter zu machen.

Vor dem Pokal-Erfolg bei der Leipziger DreamHack, dem deutschen Ableger der schwedischen Veranstaltung gleichen Namens, dem weltweit größten digitalen Festival, mussten sich die Magdeburger qualifizieren.

Das Team um Florian Teuber hatte die im ESBD organisierten Vereine 1. Berliner eSport-Club, die TSV Burgdorf und den TDV 1895 Oftersheim bezwungen. „Wir haben uns zuvor durch diverse Online-Turniere und Trainingsspiele gegen andere Teams vorbereitet“, sagt Teuber. Und wie die Magdeburger dann das Endspiel nach Hause gebracht haben, war in einem Livestream weltweit zu sehen.

Im Internet unter: www.magdeburgesports.de