Halle (dpa/sa) l Der Winter in Sachsen-Anhalt ist Wetterexperten zufolge bislang zu mild gewesen. "Die Winter, wie auch alle anderen Jahreszeiten, werden wärmer", sagte Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. Die abschließenden Zahlen für den diesjährigen Winter sollen erst nach den Messungen im Februar vorliegen. Aber schon jetzt sei eine Tendenz sichtbar, so Kreienkamp. Der aktuelle Winter werde wohl zwei bis drei Grad Celsius zu warm sein. Im Dezember 2019 wurden nach DWD-Angaben durchschnittlich 4,2 Grad Celsius gemessen. Von 1961 bis 1990 lagen die im Dezember gemessenen Temperaturen bei durchschnittlich 1,2 Grad.

WINTERDIENST: Wegen der überwiegend milden Temperaturen ist der Winterdienst im Land bislang kaum ausgerückt. Das Salzlager sei noch zu rund 85 Prozent gefüllt, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Magdeburg. Das eingelagerte Salz bleibe für die nächsten Winter in den Depots. Erst nach fünf Jähren verliere es an Qualität. Die Angestellten der Straßenmeistereien hätten dennoch zu tun: "Dazu zählen zum Beispiel der Baumschnitt, aber auch Arbeiten zur Reinigung von Schildern und Leitpfosten, zur Müllbeseitigung sowie Wartungsarbeiten am sogenannten Zubehör, wie Schutzplanken, Brückengeländern, Regenrückhaltebecken", hieß es.

ALLERGIKER: Auch die Allergiker spüren die Folgen des milden Winters. "Das vorherherrschend milde Wetter gibt der Natur wenig Anlass zur Einhaltung der Winterruhe", teilte die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin online mit. "Der "Antiwinter" verschärft die Pollenflugsituation bei Hasel und Erle", hieß es. Laut Gefahrenindex seien bereits Pollen der Gewächse in Sachsen-Anhalt unterwegs. Die Belastung ist den Angaben nach jedoch bislang relativ gering.

OBSTBAUERN: Die Obstbauern befürchten wegen der relativ warmen Temperaturen Einbußen bei der Ernte. "Durch den milden Winter werden die Obstgehölze wahrscheinlich zeitiger austreiben", sagte Jan Kalbitz vom Landesverband "Sächsisches Obst", der auch für Sachsen-Anhalt zuständig ist. Bei einem Spät- oder Blütenfrost könnten die sensiblen Blüten absterben. Das führe zu erheblichen Schäden, hieß es.

SCHÄDLINGE: Und noch ein weiteres Problem folgt für Obstbauern und andere Landwirte. "Bestimmte Insekten überleben bei einem warmen Winter", sagte DWD-Wetterexperte Frank Kreienkamp. Normalerweise würden etliche Schädlinge im Winter sterben. Nur die im Herbst abgelegten Eier würden für eine neue Population sorgen. Das milde Wetter trage allerdings dazu bei, dass die Schädlinge sich stark vermehrten. Die Bauern müssten daher ihre Pflanzen länger und öfter überwachen und gegebenenfalls die Schädlinge bekämpfen, wie Jan Kalbitz vom Landesverband "Sächsisches Obst" erklärte.

KRANKHEITEN: In einem milden Winter ist die Ansteckung mit Grippe nicht so wahrscheinlich wie sonst. "Das Wetter kann einen indirekten Einfluss auf die Übertragung der Grippeviren haben", sagte Silke Buda vom Robert Koch-Institut in Berlin. Bei sehr kaltem Wetter würden sich Menschen länger in geschlossenen Räumen aufhalten. Die Schleimhäute seien durch die trockene Heizungsluft anfälliger für eine Infektion, auch die Tröpfchen würden länger in der Luft schweben und bessere andere anstecken können.

VÖGEL: An den Vogelhäusern im Land ist in wärmeren Wintern weniger los. Anlässlich der diesjährigen "Stunde der Wintervögel", bei der die Menschen deutschlandweit zum Zählen von Haussperling, Kohlmeise und Co. aufgerufen waren, wurden im Schnitt pro Garten an den drei Mitmach-Tagen knapp 38 Tiere gemeldet, teilte der Naturschutzbundes Deutschland mit. Das seien etwas weniger als in den Vorjahren. Die Daten zeigten, dass die Zahl der Vögel in den Gärten umso geringer sei, je milder und schneeärmer der Winter sei. Der Grund: Erst wenn es kalt werde und Schnee liege, suchten viele Waldvögel Zuflucht in den Gärten der etwas wärmeren Städte, in denen sie oft reich bestückte Futterstellen fänden.