Magdeburg l Auf der Autobahn A 2 zwischen Burg und Magdeburg geht gestern Nachmittag in weiten Teilen nichts mehr. Lkw an Lkw drängt sich auf Norddeutschlands wichtigster Verkehrs-Schlagader. Bei Lostau ist mitten in einer Baustelle der Flicken einer alten Unfallstelle aufgebrochen. Die bereits auf den Standstreifen verlegte Blechlawine wälzt sich nur noch auf einer Spur Richtung Hannover.

„Die Hitze mag ihren Anteil zum Aufbrechen der Schadstelle beigetragen haben“, sagt Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde. Überhaupt seien die Mitarbeiter der Autobahn- und Straßenmeistereien in diesen Tagen ständig im Einsatz, um die Straßen auf Hitzeschäden zu kontrollieren. Anlass: Die Ausnahme-Wetterlage. Gleich an mehreren Tagen hintereinander schrammt die Temperatur im Land nur knapp an der 40-Grad-Marke vorbei.

Für die Straßen kann das Folgen haben: Gerade dunkle Asphalt-Pisten mit Bitumen heizen sich unter Sonneneinstrahlung nicht selten auf 70 Grad Celsius auf. Auf stark befahrenen Strecken bilden sich mitunter Spurrillen – hochriskant für Motorradfahrer. Regnet es später, steigt mit den Rillen zudem die Aquaplaning-Gefahr.

Auf Fahrbahnen aus Betonplatten wiederum bilden sich zwar keine Spurrillen, dafür kann das sich ausdehnende Material an den Rändern aufplatzen, bekannt auch als Fahrbahnsprengung oder „Blow up“. Solche Spannungsrisse haben in der Vergangenheit bereits zu schweren Unfällen geführt. Auch hier sind Motorradfahrer besonders gefährdet. Schäden wie diese sind bislang zwar nicht beobachtet worden, sagt Uwe Langkammer. „Unsere Meistereien sind aktuell aber oft zweimal am Tag draußen, um die Entwicklung zu beobachten.“

Reifen überstehen höhere Temperaturen

Die zu beackernden Strecken sind nicht eben kurz: Neben 500 Kilometer Autobahn liegen mehr als 2000 Kilometer Bundes- und mehr als 4000 Kilometer Landesstraßen im Aufgabengebiet. Vorsichtshalber hat die Straßenbaubehörde auf drei Autobahnabschnitten wegen der Hitze die erlaubte Geschwindigkeit abgesenkt. Tempolimits gelten auf der A 9 (Berlin-München) im Raum Landsberg/Schkeuditzer Kreuz sowie bei Naumburg und auf der A  38 (Göttingen-Leipzig) bei Merseburg.

Verstärkte Kontrollen gibt es auch auf kommunalen Strecken. Die Straßenmeisterei des Salzlandkreises will heute ihr 364 Kilometer langes Netz überprüfen. Der Harzkreis bestreut besonders stark von der Sonne beschienene Straßen mit Rollsplitt. Die Landeshauptstadt Magdeburg prüft regelmäßig neuralgische Punkte, darunter Steigungen und Bremsstrecken, sagt Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt.

Glück für die Stadt: An einem nicht geringen Teil des 1100 Kilometer langen Netzes öffentlicher Straßen in Magdeburg stehen Bäume. Ihr Schatten beugt einer übermäßigen Erhitzung vor. Sollte es dennoch dicker kommen, wäre im Notfall auch das Aussprühen von Wasser zur Kühlung möglich, sagt Amtsleiter Gebhardt – ähnlich wie zuletzt in den Niederlanden. Bei den aktuellen Bedingungen sei man davon wegen des hohen Aufwands aber noch weit entfernt. Autofahrer müssen sich wegen überhitzter Fahrbahnen übrigens keine Sorgen um ihre Reifen machen. „Handelsübliche Reifen sollten die Sommerhitze auf den Fahrbahnen überstehen“, sagte ADAC-Sprecherin Christine Rettig. Nur dort, wo Asphalt tatsächlich flüssig wird, sollte man nicht fahren.