Magdeburg (dpa) l Schlichter haben 2017 in mehr Fällen mit jugendlichen Straftätern und deren Opfern außergerichtlich nach Wegen der Wiedergutmachung gesucht als in den beiden Jahren zuvor. Landesweit gab es 217 Fälle des Täter-Opfer-Ausgleichs (TOA) nach Jugendstrafrecht, das in der Regel für Menschen bis 21 Jahren gilt, wie die Projektleiterin beim Landesverband für Kriminalprävention und Resozialisierung, Delia Göttke, in Magdeburg sagte. 2016 hatte es 176 Fälle gegeben, 2015 rund 200. "Gemäß dem Prinzip "Erziehung vor Strafe" wird der Täter-Opfer-Ausgleich oft gewählt. Er wird gut angenommen", sagte Göttke.

Die Entwicklung beim Jugend-TOA steht damit im Kontrast zu stetig sinkenden Zahlen bei den Erwachsenen-Verfahren. Die Schlichtungsstellen hatten 2015 noch 857 Erwachsenen-Fälle auf dem Tisch, 2016 765 und im vergangenen Jahr 747 Fälle, bei denen es fast 2300 Beteiligte gab.

Vom Europäischen Sozialfonds gefördert

Seit dem vergangenen Jahr wird der TOA für Jugendliche in Sachsen-Anhalt flächendeckend gefördert – dank Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Laut dem Justizministerium in Magdeburg sind elf Trägervereine ausgewählt worden. Es seien solche, die auch schon den Erwachsenen-TOA anbieten. "Dies lag nahe, weil die Durchführung des TOA eine Zusatzausbildung als Schlichter erfordert." Mit 1,1 Millionen Euro bis 2022 fördert das Land das außergerichtliche Verfahren für junge Menschen. Delia Göttke sprach von bundesweit einzigartigen Bedingungen für die freien Träger.

Beim Täter-Opfer-Ausgleich treffen die Beteiligten in einem Gespräch direkt aufeinander. Sie schildern ihre Sicht auf das Geschehen. Die Delikte, um die es geht, sind häufig Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Diebstahl oder Bedrohung, sagte Göttke. Die Taten der Jugendlichen unterschieden sich da nicht so sehr von denen der Erwachsenen.

Voraussetzung für das Gespräch ist die Bereitschaft von Täter und Opfer. Bei Minderjährigen müssen die Eltern zustimmen. Mit Hilfe einer Schlichterin wird dann nach Lösungen für eine Wiedergutmachung gesucht. "Eine Entschuldigung ist das Minimum", sagte Göttke, die selbst seit vielen Jahren solche Gespräche leitet. Während beim Erwachsenen-TOA oft Geld ein Teil des Ergebnisses ist in Form einer Schadensersatzleistung, eines Schmerzensgeldes oder einer Geldauflage, ist das bei Jugendlichen selten. "Man würde indirekt die Eltern bestrafen", sagte Göttke.

Es hänge sehr vom Opfer ab, wie die Einigung aussehe. "Wir ermutigen die Opfer, eine Vorstellung von der Gegenleistung für ihr Weh, ihre Schmerzen zu entwickeln." Die Erfahrung zeige, dass es oft nicht um Geld gehr. "Vielmehr soll sich der Täter erklären und sagen, ob er sich bewusst ist, welchen Schaden er angerichtet hat, und ob er das wiedergutmachen will." Bei Jugendlichen spielten neben einer Entschuldigung Geschenke eine größere Rolle als bei Erwachsenen. Das könnten ein Kino-Gutschein sein, Fußballkarten, Pralinen oder auch ein Blumenstrauß.