Wernigerode l Die Vision ist kühn, die Realisierung steht aber weiterhin völlig in den Sternen: Der Wernigeröder Ski-Enthusiast Klaus-Dieter Götze hat schon vor Jahren mit der Idee, am Astberg in Wernigerode die größte Skihalle Deutschlands aus dem Boden zu stampfen, überrascht. Nachdem der 68-Jährige wegen der unklaren Finanzierung des Mega-Projektes bislang eher belächelt worden ist, schien er in jüngster Zeit eine wichtige Hürde genommen zu haben.

Die „Bild“-Zeitung wollte laut ihrer Ausgabe vom Mittwoch erfahren haben, dass der renommierte österreichische Bauriese Porr bereit sei, das 80 bis 90 Millionen Euro teure Projekt zu planen und auch zu bauen – sofern es nach Überprüfungen der Behörden genehmigungsfähig gewesen wäre.

Dem Zeitungsbericht zufolge hätte in diesem Fall der österreichische Brause-Produzent Red Bull als Sponsor den Löwenanteil der Kosten getragen. Mehr noch: Bereits am kommenden Dienstag solle schon eine entscheidende Sitzung im Rathaus von Wernigerode stattfinden.

Stadtverwaltung dementiert Termin

In Wernigerode war die Aufregung am Mittwoch zunächst groß. Während Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff die Mitglieder des Hauptausschusses rügte, weil angeblich erneut interne Verabredungen aus dem Ausschuss öffentlich geworden seien, hielt Tobias Kascha, der Büroleiter von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), den Ball flach: „Dass am Dienstag, 23. Mai, in einem Treffen von Investor und Fraktionschefs angeblich die alles entscheidenden Weichen für das Projekt gestellt werden sollen, überrascht uns“, so Kascha. Ein solcher Termin – das bestätigen auch andere Stadträte der Volksstimme – sei nicht bekannt.

Am Nachmittag meldeten sich dann auf Volksstimme-Nachfrage beide österreichische Unternehmen zu Wort. Eine Sprecherin des Bau-Konzerns Porr erklärte, der Bild-Bericht sei – so wörtlich – „eine Ente“. Red Bull erklärte: „Wir können ein finanzielles Engagement bei der Skisporthalle Wernigerode nicht bestätigen.“

Bislang nur ein Gespräch im Rathaus

Auch wenn sich Zeitungsbericht also als unzutreffend herauszustellen scheint, dürfte das Thema „Mega-Skihalle“ noch weiter eine Rolle spielen. Denn es gab nach Volksstimme-Informationen tatsächlich kürzlich ein Treffen zwischen dem Wernigeröder Oberbürgermeister Peter Gaffert, Ski-Enthusiast Götze und einem Vertreter des Porr-Konzerns.

Dabei sollen die Herren auch über den möglichen Bau eines überdachten Ski-Ressorts gesprochen haben. Porr als Projektentwickler soll dem Vernehmen nach vorab Klarheit verlangt haben, ob so ein Projekt genehmigungsfähig wäre. Der Stadtrat soll danach Stadtoberhaupt Gaffert beauftragt haben, mit Porr „erfolgsorientiert“ über Nutzungskonditionen am Astberg zu verhandeln.

Insofern bleibt es abzuwarten, ob der österreichische Bauriese nicht doch noch Interesse für Wernigerode entwickelt. Hauptproblem dürfte aber weiterhin der enorme Finanzbedarf des Riesen-Projektes bleiben.

Das betont auch Gafferts Sprecher Koscha: „Wenn die Finanzierung steht und die Beteiligten am Projekt konkreter werden, können wir über Details reden und in konkrete Beratungen einsteigen. Davon sind wir aber weit entfernt.“