Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalts Schüler müssen ihre Abschlussprüfungen in diesem Jahr trotz der Corona-Krise wie geplant ablegen. "Wir gehen einen ersten behutsamen Schritt bei der Schulöffnung und sichern damit die Prüfungen im Interesse aller Schülerinnen und Schüler ab", teilte Bildungsminister Marco Tullner am Freitag mit. "Es werden daher reguläre Abschlüsse vergeben", so der CDU-Politiker. Die schriftlichen Abiturprüfungen starten damit wie geplant am 4. Mai, die Realschulprüfungen eine Woche später.

Angesichts wochenlanger Schulschließungen waren Forderungen laut geworden, die Prüfungen zu verschieben oder das Schuljahr ohne Noten zu beenden. In seiner Mitteilung öffnet der Minister den Lehrern nun ein Hintertürchen, zumindest bei der Beurteilung der Schüler hier und da ein Auge zuzudrücken: "Die schwierigen Bedingungen der Prüfungsvorbereitung durch die Schulschließung sollen berücksichtigt werden, in dem die Lehrkräfte ausdrücklich zur Ausübung ihres pädagogischen Ermessens ermutigt werden", heißt es. Für die Prüfungsvorbereitung dürfen Abschlussklassen ab Donnerstag kommender Woche wieder zur Schule.

Die Prüflinge des kommenden Schuljahres sollen die Schulbank dann ab dem 4. Mai wieder drücken. Wann der Unterricht in den Schulen für die restlichen Schüler wieder losgeht, ist nach Angaben des Bildungsministeriums noch offen. Bund und Länder und anschließend die Kultusministerkonferenz (KMK) hatten sich am Mittwoch auf die schrittweise Wiederöffnung der Schulen ab 4. Mai verständigt. Bis zum 29. April soll die KMK einen Plan dazu ausarbeiten. Bei der nächsten Bund-Länder-Schalte zu weiteren Corona-Beschränkungen soll der Plan dann beraten werden - bis dahin müssen sich die Schüler gedulden.

Für den Prüfungsbetrieb in den kommenden Wochen gelten an Sachsen-Anhalts Schulen verschärfte Hygiene- und Reinigungsregeln. Tullner ließ den Schulen dazu am Donnerstag einen Erlass zukommen. Das Gesundheitsministerium stellt den Schulen Mundschutze und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Die Schulleitungen übernehmen die Personalplanung und sollen dabei möglichst auf Lehrer, die der Risiko-Gruppe angehören, verzichten. Die Landesregeln zur Corona-Eindämmung, etwa den Mindestabstand von 1,5 Metern, sollen die Schulen etwa durch angepasste Gruppengrößen einhalten können.

Eltern, Schüler und Lehrer haben damit nach einem Monat Schulschließung in Sachsen-Anhalt erstmals eine mehrwöchige Planungssicherheit - und können sich auch auf einen pünktlichen Start der Sommerferien einstellen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte am Freitag in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeine" (Freitag) angesichts der Schulschließungen eine Verkürzung der Sommerferien zur Debatte gestellt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte sich dem grundsätzlich offen gezeigt. "Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen", sagte er am Freitag im Gespräch mit der "Mitteldeutschen Zeitung".

Tullner erteilte dem am Freitag jedoch eine Absage. "Wir führen derzeit keine Debatte über die Sommerferien", sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur. Schüler, Lehrer und Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Zwar werde über freiwillige Angebote diskutiert. "Aber eine generelle Verkürzung oder Verschiebung steht nicht an", so Tullner. Auch die Bildungsgewerkschaft GEW hatte sich zuvor gegen derartige Überlegungen ausgesprochen. "Nach all dem, was gelaufen ist, brauchen Schüler, Eltern und Lehrer jetzt einfach mal Zeit, auszuspannen", sagte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Dass die Absolventen, wie sonst üblich, zum Ferienstart in feucht-fröhliche Abschlussreisen ans Mittelmeer oder den Balaton starten, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne machte im Radiosender MDR Sachsen-Anhalt wenig Hoffnung auf weite Reisen. "Ich bin mir ganz sicher, dass Urlaubsreisen ins Ausland, davon gehe ich jedenfalls aus, in diesem Sommer nicht stattfinden", sagte die Sozialdemokratin.

Grimm-Benne und Haseloff auf MDR Sachsen-Anhalt

Mitteilung Bildungsministerium