Halle (dpa/sa) - Wegen antisemitischer Äußerungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center hat AfD-Stadtrat Donatus Schmidt seinen Posten im Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle verloren. Der Stadtrat stimmte am Donnerstag bei einer Sondersitzung einem entsprechenden Antrag mit großer Mehrheit zu.

Auf einem Video, dass das ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag aufgegriffen hatte, sagt Schmidt: "An diesem Tag, 9/11, ist in New York ein sogenannter "Jew Call" rumgegangen. Das heißt, alle Juden, die in diesen Türmen gearbeitet haben, haben diesen Anruf bekommen." Er ergänzte, dass "wohl kein wirklich wichtiger Jude am Arbeitsplatz" gewesen sei. Bereits am 24. Oktober hatte die SPD aus Halle in einer Pressemitteilung auf das Video aufmerksam gemacht. Mittlerweile ist es nicht mehr offen im Netz zu sehen.

Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) begründete den Antrag unter anderem damit, dass Schmidt mit seinen Äußerungen Werte wie das Bekenntnis zu Menschenrechten verletzt habe. "Seine Abberufung ist folgerichtig", sagte Wiegand.

Schmidt selbst sprach in der Sondersitzung von einer "Hexenjagd". Noch bevor der Antrag abgestimmt wurde, erklärte er seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat. Zudem sagte er, mit seinen Äußerungen aus dem 2016 hochgeladenen Video habe er keine Volksgruppe pauschal verurteilt und diese seien nicht antisemitisch. Dennoch sei es "falsch" gewesen, die Äußerungen getätigt zu haben. "Heute weiß ich das", ergänzte er.

Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion von Die Linke, Bodo Meerheim, bezweifelte, dass Schmidt sein Weltbild mittlerweile geändert habe. Dies zeige auch eine Teilnahme an einer rechten Demo in Berlin am Tag der Deutschen Einheit. Unter den Teilnehmern der Demonstration waren auch Neonazis und Angehörige der sogenannten Reichsbürger-Szene.

Das Bündnis "Halle gegen Rechts" begrüßte die vom Stadtrat getroffene Entscheidung. "Ich hoffe, er wird auch im Aufsichtsrat des Stadtmarketings noch abberufen", sagte ein Sprecher des Bündnisses.

Tweet von "Frontal 21" zu den Aussagen