Halle (dpa/sa) - Die Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt werden immer älter. Ein Auswertung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle zufolge ist jeder vierte Beschäftigte im Land älter als 55 Jahre. Vor zehn Jahren seien das noch fast 15 Prozent gewesen. Im Juni 2018 seien landesweit fast 199 400 Sozialversicherungspflichtige über 55 Jahre alt gewesen, mehr als 79 000 waren über 60. Der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius, befürchtet, dass den Unternehmen viel Know-How verloren geht, wenn viele Beschäftigte in Rente gehen.

"Viele Firmen werden immer größere Probleme haben, ihre älteren Mitarbeiter zu ersetzen." Auf der einen Seite sei es wichtig, die Älteren etwa mit flexiblen Arbeitszeiten oder Gesundheitsangeboten dabei zu unterstützen, fit zu bleiben. Auf der anderen Seite sollten die Unternehmen die Weitergabe von Wissen zwischen den Mitarbeitergenerationen frühzeitig organisieren.

Die Statistik zeigt laut der Regionaldirektion auch, dass immer mehr über 55-Jährige einem regulären Job nachgehen. Im Juni 2014 etwa seien es noch 49,2 Prozent gewesen, im Juni dann schon 55,8 Prozent und damit mehr als jeder zweite in dem Alter. Deutschlandweit liege die Beschäftigungsquote Älterer bei 54,5 Prozent. Die Regionaldirektion hat die Daten anlässlich des Tags der Älteren (1. Oktober) ausgewertet.

Für ältere Arbeitslose sind die Aussichten aber nach wie vor ungünstig, wie die Zahlen zeigen. So hätten im vergangenen Jahr monatlich 36 von 1000 Arbeitslosen über 55 Jahre eine Beschäftigung aufgenommen. Bei den Arbeitslosen insgesamt seien es 63 von 1000 gewesen. Ältere Arbeitslose seien auch überdurchschnittlich lange ohne Job. Die über 55-Jährigen seien im Juni 2019 durchschnittlich 61,8 Wochen arbeitslos gewesen, während die Dauer bei den Arbeitslosen insgesamt bei rund 43 Wochen gelegen habe. Fast ein Drittel der Langzeitarbeitslosen in Sachsen-Anhalt sei 55 Jahre und älter.

Regionaldirektions-Chef Senius sieht bei den Arbeitgebern noch immer viele Vorurteile, wenn sie auch älteren Arbeitslosen gegenüber zunehmend aufgeschlossen seien. "Die Kombination "Alter" und "Arbeitslosigkeit" wird vielfach mit fehlender Produktivität und veralteten Qualifikationen in Verbindung gebracht. Dazu kommt der Irrglaube, dass sich eine Einarbeitung wegen der vermeintlich kurzen Arbeitszeit bis zur Rente nicht lohnen würde." So würden das individuelle Wissen und die Lebenserfahrung älterer Menschen häufig noch immer stark unterschätzt.

Die Arbeitslosenquote bei den 55- bis 65-Jährigen unterscheidet sich den Daten zufolge nicht mehr wesentlich von der allgemeinen Quote. Im Schnitt des Jahres 2018 habe sie bei 7,9 Prozent gelegen, insgesamt bei 7,7 Prozent. Im Jahr 2014 waren die Unterschiede etwa größer, damals lag die Arbeitslosenquote bei den Älteren bei 12 Prozent und insgesamt bei 10,7 Prozent.