Magdeburg (dpa/sa) - Zugbegleiter werden beleidigt, Polizisten attackiert: Die Bundespolizei stellt an Bahnhöfen und in Zügen eine hohe Gewaltbereitschaft fest. "Die Hemmschwelle ist nach wie vor besorgniserregend gering", sagte der Leiter der Bundespolizeiinspektion Magdeburg, Alexander Schmelzer, der Deutschen Presse-Agentur. Schon bei einfachen und geringfügigen Kontrollsituationen würden die Menschen aggressiv. Bei mehr Kontrollen fanden die Bundespolizisten Drogen, oft in Kombination mit Waffen. Das Problem sei nationalitätenunabhängig.

Im vergangenen Jahr hat die Bundespolizei in Sachsen-Anhalt fast 9800 Straftaten festgestellt nach rund 8350 im Jahr 2017. Hintergrund sei der verstärkte Fahndungsdruck mit mehr Kontrollen, sagte Schmelzer. Im vergangenen Jahr hatte die Inspektion als Vorreiter eine Handyapp für Fahndungsabfragen getestet. Die Zahl der Treffer sei von rund 1200 auf nun knapp 1650 gestiegen, ein Plus von 36 Prozent. "Wir haben 4 bis 5 Fahndungstreffer pro Tag", sagte Schmelzer. Die Smartphones würden jetzt regulär eingesetzt, weitere sollen angeschafft werden.

Die Gewaltdelikte sind laut Schmelzer leicht zurückgegangen von 709 auf nun 612 Angriffe. "Sie sind aber immer noch zu hoch." Die Bundespolizei registrierte für das vergangene Jahr 50 Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn nach 46 im Jahr 2017 - das ist noch nicht die vollständige Zahl aller Attacken, die Bahn führt eine eigene Statistik.

Obwohl die Bundespolizei ihre Kontrollaktivität erhöht hat, gingen die Angriffe auf die Beamten zurück, sagte Schmelzer. Wurden 2017 noch 148 Beamte attackiert, waren es im vergangenen Jahr 118. Die Zahl der verletzten Beamten sei von 17 auf 14 zurückgegangen. Die Zahl der Widerstände gegen die Beamten blieb mit etwas mehr als 190 Fällen konstant. Dass nicht mehr Polizeibeamte verletzt worden sind, führt Schmelzer auf die verbesserte Schutzausrüstung und auch Ausbildung und Training der Beamten zurück. Künftig bekommen sie auch sogenannte Bodycams, mit denen sie brenzlige Situationen dokumentieren können.

Einen besonders großen Zuwachs gab es bei den festgestellten Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz und das Asylverfahrensgesetz. Dort wurden nach 634 Delikten im Jahr 2017 nun 1874 Vergehen festgestellt. Ein deutliches Plus gab es auch bei den Urkundendelikten, also gefälschten Reisepässen, Ausweisen oder Fahrkarten. Ihre Zahl stieg um 180 auf nun 228. Das liege an der gezielten Schulung von Mitarbeitern, die gelernt haben, Fälschungen besser zu erkennen, sagte Schmelzer. Zudem arbeite die Bundespolizei stärker mit den Ausländerbehörden zusammen. Anstiege verzeichnete die Bundespolizei aber auch beim Thema Schwarzfahren mit mehr als 1700 Fällen nach rund 1660 im Jahr zuvor.

Einen massiven Anstieg gab es auch bei den Drogenfunden. 2017 hatte es noch 244 Fälle gegeben, im vergangenen Jahr 446. "Wir wissen, dass die Bahn als Transportmittel für Betäubungsmittel genutzt wird", sagte Schmelzer. Dies seien sogenannte Kontrolldelikte, die nur zu Tage träten, wenn die Polizei verstärkt unterwegs sei und somit das Dunkelfeld stärker aufhelle. Dass die Beamten verstärkt unterwegs sind, auf Streife und für Kontrollen, verdrängt einige Delikte, sagte Schmelzer. So habe es bei den Sachbeschädigungen wie etwa Graffitischmierereien ein Minus in der Statistik der Bundespolizeiinspektion gegeben. Die Zahl sei von mehr als 1500 auf nun knapp 1100 Fälle gesunken. Konstant sei die registrierte Zahl von Eigentumsdelikten wie Diebstählen bei rund 1000 geblieben.

Die Bundespolizeiinspektion Magdeburg ist für 2300 Kilometer Schiene zuständig und etwa 450 Bahnhofsgebäude.