Halle (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Leiharbeiter weiter gesunken. Die Corona-Krise habe diesen Trend der vergangenen Jahre beschleunigt und verstärkt, teilte die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Halle mit. Den Angaben nach waren im Juni 2020 in Sachsen-Anhalt rund 17 800 Leiharbeiter sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Das waren rund 4000 oder 18 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Im Juni 2019 waren es noch rund 21 800 Leiharbeiter. Zum Vergleich: Zwischen Juni 2018 und Juni 2019 war deren Zahl um 10 Prozent zurückgegangen.

Die Leiharbeit verliere seit etwa drei Jahren in Sachsen-Anhalt an Bedeutung, erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion. Zur Begründung hieß es unter anderem, die Branche habe sehr sensibel auf konjunkturelle Eintrübungen der vergangenen Jahre vor allem im verarbeitenden Gewerbe reagiert. Vor allem im ersten Halbjahr 2020 habe die Corona-Krise wie ein Katalysator auf den Rückgang der Leiharbeit gewirkt.

Im ersten Lockdown waren durch Grenzschließungen und die Unterbrechungen der Lieferketten auch viele Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und der Logistik betroffen, die viele Zeitarbeiter beschäftigen, erklärte Behrens. Zeitarbeit gilt als ein Indikator für die Konjunktur. Wenn die Wirtschaft schwächelt, setzen Unternehmen weniger auf Leiharbeiter als in Zeiten des Aufschwungs.

Dies zeigt sich auch in der Arbeitslosenstatistik. Sowohl im April als auch im Mai 2020 verloren den Angaben nach mehr Leiharbeiter ihren Job als im Vorjahr. So wurden beim ersten Lockdown im April 2020 in Sachsen-Anhalt rund 1000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Leiharbeiter arbeitslos, 193 mehr als im Vorjahresmonat (plus 23,9 Prozent). Im Mai 2020 wurden 984 Leiharbeiter entlassen, das waren 203 mehr als im Mai 2019 (plus 26 Prozent).

© dpa-infocom, dpa:210218-99-495043/2

Pressemitteilung