Dessau-Roßlau/Leipzig (dpa) - Der Drill beim DDR-Leistungsschwimmen hat dem späteren Schauspieler Thomas Kretschmann schwer zugesetzt, war ihm bei der Hollywood-Karriere aber auch nützlich. "Was ich vom Schwimmen natürlich hab, ist dieses Durchhaltevermögen. Ich bin ja auch am Set nicht kleinzukriegen", sagt der 57-Jährige in der MDR-Sendung "Von Dessau nach Hollywood", die an diesem Donnerstag (23.05 Uhr) ausgestrahlt wird. 20 Kilometer sei er geschwommen am Tag und er habe nicht einfach sagen können, er höre jetzt auf. "Ich fand das ungeheuer brutal. Das hab ich schon in der Sportschule richtig heftig mitbekommen." Kretschmann, der als Sohn einer Lehrerin in Dessau aufwuchs, berichtet von der Schikane durch die Trainer. "Das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich abgehauen bin, weil ich mir nicht von irgendwelchen Drecksäcken mein Leben vorschreiben lasse oder denen die Hand gebe, mein Leben für mich zu dirigieren und zu lenken." Er sagte, er sei zu Fuß über die grüne Grenze in Ungarn geflohen. "Dieses Schwimmregime und diese Flucht haben eigentlich mir das Handwerkszeug fürs Leben gegeben, auch wenn es nicht schön war."

In Hollywood arbeitete Kretschmann etwa mit Roman Polanski für "Der Pianist" zusammen. In der MDR-Sendung sagt Kretschmann über sich: "Ich bin eigentlich so‘n Nischenschauspieler. Ich drehe die ganze Zeit. Ich drehe seit 30 Jahren drei, vier Filme pro Jahr." Und: "Ich hab nie so auf eine Karriere hingearbeitet, sondern die ist passiert."

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