Aurich/Magdeburg (dpa) - Der niedersächsische Windanlagenbauer Enercon hat sich trotz des geplanten massiven Stellenabbaus zum Standort Deutschland bekannt. Enercon plane weiter mit den hiesigen Standorten, sicherte Firmenchef Hans-Dieter Kettwig am Montag nach einem Krisentreffen mit Landespolitikern in Magdeburg zu. "Wir können sagen, dass wir den Standort Magdeburg nicht fallen lassen", ergänzte er. Es gelte jetzt, sich mehr auf den internationalen Markt auszurichten.

Zuvor hatte das Unternehmen mit Sitz in Aurich angekündigt, rund 3000 Stellen streichen zu wollen. Von dem Stellenabbau könnten laut Kettwig bis zu 3000 Beschäftigte betroffen seien, je zur Hälfte in Ostfriesland und in Magdeburg. Am Standort Magdeburg werden laut Kettwig 1200 bis 1500 Jobs bei Enercon selbst sowie zwei Zulieferern wegfallen, als Termine dafür wurden März und September 2020 genannt.

Enercon ist einer der größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen. Weltweit beschäftigt der Enercon-Verbund nach eigenen Angaben rund 18 000 Menschen.

Zur Begründung seines Stellenabbaus hatte das Unternehmen auf die Energiepolitik der Bundesregierung verwiesen. Diese sei verantwortlich für den Niedergang der Windindustrie in Deutschland. Die niedersächsische Landesregierung kündigte daraufhin an, die vom Bund geplante Regelung, dass neue Windanlagen mindestens 1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung haben müssen, nicht zu übernehmen.

Am Wochenende hatten sich Niedersachsens Energieminister Olaf Lies und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Aurich mit Enercon-Mitarbeitern getroffen. Enercon habe die Mitarbeiter zuvor unter Druck gesetzt, dem Treffen besser fernzubleiben, sagte Lies: "Ganz ehrlich: Das ist unanständig."

Lies kritisierte das Betriebsklima bei Enercon. "Die Anspannung der Mitarbeiter ist eindeutig", sagte der SPD-Politiker der "Nordwest-Zeitung" (Montag). "Viele haben Angst und werden unter Druck gesetzt nach dem Motto: "Wenn ihr da hingeht, dann bekommen wir später keine Sozialplanverhandlungen durch oder es gibt weniger Geld.""

Sachsen-Anhalts Landesarbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) begrüßte, dass Enercon sich seiner sozialen Verantwortung für alle betroffenen Mitarbeiter stellen wolle. Auch die Landesarbeitsagentur werde sich beteiligen, kündigte sie an. "Ich hoffe, dass wir vor Weihnachten das Signal geben können, wie wir sie auffangen können."