Magdeburg (dpa/sa) - Die Campingplatzbetreiber in Sachsen-Anhalt ziehen eine gemischte Bilanz der Corona-Saison. "Unterm Strich kann man sagen, dass der größte Teil der Betreiber davon ausgeht, dass sie zum Jahresende mit einem blauen Auge oder einer Null davonkommen", sagte Peter Ahrens, Präsident des Campingverbands Sachsen-Anhalt, in Magdeburg. Der erste Lockdown im Frühjahr habe die Branche hart getroffen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts wurden im April mit rund 1650 etwa 95 Prozent weniger Übernachtungen gezählt als im Vorjahresmonat. Auch im Mai und Juni gab es heftige Einbrüche bei den Übernachtungszahlen. Erst ab Juli entspannte sich die Lage deutlich.

Dennoch: "Man kann keine pauschale Beurteilung abgeben", erklärte Ahrens. Die Zahlen würden nur einen Durchschnitt zeigen. "Es gibt Betriebe, die unterm Strich bis zum heutigen Tage tatsächlich an das Vorjahresniveau herankommen", sagte der Verbandschef. Sie hätten die Einbrüche im Frühjahr wegen der wochenlangen Corona-Zwangspause mit einer hohen Auslastung im Sommer ausgleichen können. Anderen Betrieben hingegen sei es deutlich schlechter ergangen. Sie machten im Vergleich zur vorherigen Saison vermutlich ein Minus, so Ahrens.

Der Grund: "Sie hatten in den Vorjahren schon eine 100-prozentige Auslastung", erklärte der Verbandspräsident weiter. Diese Betreiber hätten wegen der vorübergehenden Schließung im Frühjahr Einbußen erlitten. Auch eine volle Auslastung nach der schrittweisen Wiederöffnung ab Pfingsten konnte die Verluste nicht ausgleichen.

Im Mai wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts in Halle mit rund 41 800 Übernachtungen noch immer rund ein Viertel weniger Übernachtungen als im Vorjahresmonat registriert. Im Juni lag die Zahl der Übernachtungen bereits bei rund 95 200 - und damit nur noch 5 Prozent hinter dem Vorjahresmonat.

Erst im Juli - rechtzeitig zum Beginn der Sommerferien in Sachsen-Anhalt - erholte sich die Branche deutlich. Laut Statistik wurden rund 159 800 Übernachtungen und damit rund 40 Prozent mehr als im Vorjahresmonat gezählt. Im August gab es einen erneuten Sprung nach oben. Mit rund 175 600 Übernachtungen wurden etwa 70 Prozent mehr als im August 2019 registriert. Camping gilt vielen als naturnah und liegt wieder im Trend bei Urlaubern.

Trotz der wechselhaften Saison blickt die Branche verhalten positiv in die Zukunft. In diesem Jahr seien auch Menschen campen gegangen, die sonst die Übernachtungen in Zelt und Wohnmobil mieden, so Ahrens. Sie hätten möglicherweise ihre Einstellung geändert und Gefallen am Campen gefunden. "Wir hoffen, dass es eine langfristige Wirkung hat", sagte der Verbandschef. Campingplätze seien ohnehin moderner, als viele ehemalige Nicht-Camper glaubten. "Die Angebotsformen auf den Plätzen haben sich zum Beispiel stark verändert", erklärte Ahrens. So könnten mancherorts komfortable Holzhütten, moderne Bungalows oder riesige Campingfässer gebucht werden.

Sachsen-Anhalt gehörte nicht zu den klassischen Urlaubsländern - das gelte auch für das Camping, meint Ahrens. Nur einzelne Regionen wie etwa Harz seien in der Regel stark gefragt. Nach Angaben des Reise- und Buchungsportals "camping.info" in Berlin verzeichnet Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich diesen Sommer aber den stärksten Zuwachs an Übernachtungen auf Campingplätzen.

Demnach wurden von Juni bis August rund 405 600 Übernachtungen im Land registriert. Das war demnach nach ein Zuwachs von 27,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den Nachbarländern Sachsen und Brandenburg stiegen die Übernachtungszahlen laut dem Portal um 21 Prozent und 19 Prozent. Für die Erhebung wertete die Plattform eigene Tourismusdaten der diesjährigen Sommersaison aus. Die Webseite gehört nach eigenen Angaben mit rund 23 000 eingetragenen Campingplätzen in 44 europäischen Ländern zu den führenden Portalen in Europa.

Informationen zur Saison auf Camping.Info