Halberstadt (dpa/sa) - Der Corona-Impfstoff hatte erst wenige Stunden zuvor die Landesgrenze passiert - da sind am Samstagnachmittag in Halberstadt (Landkreis Harz) schon die ersten Senioren geimpft worden. Im Seniorenzentrum Krüger bekam die 101 Jahre alte Edith Kwoizalla die erste Impfung. Beobachtern zufolge nahm sie den Pieks gelassen und mit einem Lächeln hinter dem Mund-Nasen-Schutz entgegen. Der Landkreis habe zuvor angefragt, ob die Einrichtung vorbereitet sei, sagte Betreiber und Pflegefachkraft Tobias Krüger. "Jeder Tag, den wir warten, ist ein Tag zu viel", sagte er. Deutschlandweit war der Start der Impfungen für Sonntag geplant.

Insgesamt wollten sich Krüger zufolge in der Halberstädter Einrichtung 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 10 von rund 40 Mitarbeitenden impfen lassen. Auch er selbst habe das Angebot angenommen, er halte die Impfung für sinnvoll. "Ich verstehe aber auch die Bedenken", sagte Krüger. Am 15. Januar stehe in seiner Einrichtung die zweite Impfung an, die für die Immunisierung nötig ist.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte am Samstagmorgen die erste Lieferung mit 9750 Impfdosen in Empfang genommen und sie gleich weiterverteilt an die Landkreise und kreisfreien Städte. Mobile Impfteams sollen von Sonntag an in Senioren- und Pflegeheime gehen, um dort Bewohnerinnen und Bewohner sowie Personal zu impfen. Einen Teil der Impfdosen geht an Krankenhäuser, wo das besonders gefährdete Personal immunisiert werden soll. Die Impfungen sind freiwillig. Der symbolische landesweite Auftakt ist in einem Pflegeheim in Dessau-Roßlau geplant. Dazu werden Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) erwartet.

Das Infektionsgeschehen ist weiter hoch in Sachsen-Anhalt - es liegt über dem bundesweiten Durchschnitt. Am Samstag meldete das Sozialministerium für das Land 211,55 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen, bundesweit waren es zuletzt 171 gewesen. In Sachsen-Anhalt werden auch mehr Covid-19-Patienten mit einem schweren Verlauf in den Krankenhäusern behandelt. Am Samstag waren 154 Intensiv- und Beatmungsbetten mit diesen Patienten belegt, 82 wurden künstlich beatmet. Am Freitag waren es noch 149 dieser Spezialbetten und 77 beatmete Covid-19-Patienten gewesen.