Halle (dpa/sa) - Gesang erfüllt die Synagoge in Halle von der himmelblauen Decke bis zum gekachelten Boden. In der Mitte des Raums steht Jan-Josef Laiter, 19 Jahre. Er ist an diesem Tag Chasan - der Vorbeter für die Gemeinde. Während er singt, wippt sein Oberkörper immer wieder nach vorne, seine Hände greifen vor ihn, umfassen ein blaues Tuch mit goldenem Rand. Zwischendurch wird rhythmisch geklatscht, die Gemeindemitglieder stimmen in den Gebetsgesang mit ein. An der Türe steht unterdessen ein stämmiger Mann in schwarzer Jacke mit weißem Aufdruck: "Security".

Es ist der letzte Sabbat-Gottesdienst bevor am Sonntagabend das diesjährige Lichterfest beginnt. Chanukka (hebräisch: Einweihung) erinnert an die Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahr 165 v. Chr.. Jüdische Kämpfer hatten ihr Land von griechisch-syrischer Fremdherrschaft befreit, unter der sie nur griechische Götter verehren durften. "Das Hauptwunder von Chanukka", wie der Vorsitzende der Gemeinde, Max Privorozki, es ausdrückt.

Er erzählt auch, dass eine Gruppe der knapp 30 Gläubigen bei diesem Gottesdienst das erste Mal seit dem Terroranschlag vom 9. Oktober wieder in der Synagoge sei. Sie hatten sich in Bayern psychologisch begleiten lassen. "Zwei Wochen wie Kur", sagt der 56-Jährige.

Zu Chanukka gibt es auch eine weitere Erzählung. Der Legende nach gab es bei der Neuweihe nur ein kleines Kännchen geweihten Öls, das aber wie durch ein Wunder acht Tage lang im Leuchter brannte, bis neues Öl gewonnen wurde. Der Vorschrift ihres Glaubens nach, darf der Leuchter nie ausgehen. Nach biblischer Vorschrift (2. Mose 25,31-40) hat eine Menora sechs Arme und sieben Lampen. An dieses Wunder erinnert bis heute am Chanukka-Fest das täglich fortschreitende Anzünden der Menorah-Lichter. Chanukka beginnt am 25. Tag des Monats Kislew im jüdischen Kalender.

Wie viele Menschen zur offiziellen Chanukka-Party am Montag in Halle kommen werden, kann Privorozki nicht abschätzen. Vergangenes Jahr seien es 220 gewesen. Um an das Öl-Wunder zu erinnern, werden dann ölhaltige Speisen gereicht. Das kann etwa ein Sufganijot sein, in Fett gebackener fluffiger Teig mit süßer Füllung - quasi ein Pfannkuchen.

In Magdeburg wird am Sonntag die erste Kerze des Leuchters angezündet. Am Montag soll diese dann im Beisein von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) symbolisch noch einmal im Hundertwasserhaus entzündet werden, teilt der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, Wadim Laiter, mit. Es ist seinen Angaben zufolge bereits das dritte Jahr, in dem diese Tradition stattfindet.

Bei der Zeremonie rechne er mit 40 bis 50 Menschen. "Die Veranstaltung ist öffentlich, es kann gut sein, dass noch mehr kommen", sagt Laiter. Einige Politiker aus dem Landtag hätten sogar ihren Urlaub unterbrochen, um teilzunehmen.

Die Feierlichkeiten endeten am 29. Dezember. "Wir werden einen Chanukka-Ball veranstalten, ein fröhliches Fest mit Musik und Tanz", sagt Laiter. Hier rechnet er mit rund 130 Feiernden. Bei allen Veranstaltungen sei die Sicherheit gewährleistet. "Wir sind in ständigem Kontakt mit der Polizei", so Laiter. Ein Satz, der auch für die Gemeinde in Halle gültig ist.

Bei der Jüdischen Gemeinde Dessau stehen ebenfalls die Pläne. "Wir feiern Chanukka am 23. Dezember", teilte sie mit. Geplant ist eine Zusammenkunft im Hotel Fürst Leopold am Nachmittag. Es wird mit rund 100 Teilnehmern gerechnet.

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