Halle (dpa) - Nach neuen Berichten über die ersten Minuten des Terroranschlags von Halle hat der SPD-Innenexperte Rüdiger Erben Aufklärung in einem eingesetzten Untersuchungsausschuss angekündigt. Isoliert ließen sich die Schilderungen der Berichte nicht bewerten, sagte Erben am Samstag laut einer Mitteilung der Landtagsfraktion. Es sei jetzt wichtig, dass der U-Ausschuss im Magdeburger Landtag zum Arbeiten komme. "Ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Sitzung bereits Beweisbeschlüsse beantragen werden", sagte Erben.

Zuvor hatte der Rechercheverbund von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" geschildert, was auf einem Video aus der Überwachungskamera an der angegriffenen Synagoge zu sehen sein soll. Demnach gingen mehrere Passanten "ruhig, ja beinahe teilnahmslos" am ersten Opfer vorbei. Eine Polizeibeamtin soll um das Opfer herumgegangen sein, ohne Erste Hilfe zu leisten.

Ein schwer bewaffneter Mann hatte am 9. Oktober vorigen Jahres versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Als das misslang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin vor der Tür sowie kurz darauf einen 20-Jährigen in einem nahen Imbiss. Ein 27 Jahre alter Deutscher hat die Tat gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt. Eine Anklage wird zeitnah erwartet.

Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung sollen im Landtag weitere Fragen geklärt werden. Der U-Ausschuss will unter anderem das Agieren der Polizei vor und während des Anschlags aufarbeiten. Dabei geht es auch um die zentrale Frage, warum die Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, nicht unter Polizeischutz stand. Der Beginn der Arbeit verzögerte sich zuletzt, weil die Landesregierung angeforderte Akten nicht angeliefert hatte. Jetzt soll es am 24. Februar losgehen.

Bericht SZ